»Rechtsruck. Zehn Gespräch. Gegen Angst« © YouTube

Kino gegen die Angst

Am 29. Oktober um 20:15 Uhr wird der Film »Rechtsruck. Zehn Gespräche. Gegen Angst.« von Niko Mayr und Walter Ötsch im Filmhaus gezeigt – mit anschließendem Publikumsgespräch. Wir empfehlen, verlosen 1 x 2 Karten und nutzen den Anlass für eine kurze Lagebeschreibung.

Der aufkeimende Faschismus des Jahres 2018 in Österreich nennt sich übrigens »Harmonie«. Dies scheint leider noch nicht zu allgemeinem Bewusstsein gekommen zu sein. In Austria kann sich bald eine illiberale Demokratie implementieren, durch die unüberwindbare Mehrheit zweier Parteien, die gemeinsam – harmonisch quasi – immer einen genügend großen Stimmenanteil haben werden und somit nicht mehr aus der Regierung bugsiert werden können. Zunächst liegt der ganze Witz einer freien, offenen und pluralen Gesellschaft darin, dass es unterschiedliche Meinungen geben darf und gerade der Parlamentarismus braucht den Streit. Türkise und Blaue stellen aber unverkennbar die Loyalität über jedes Sachargument und dadurch ist die eigene Partei wichtiger als der demokratische Rechtsstaat. Darin liegt eine gewisse Stärke, die zuweilen bewundert wird und es ist nicht ganz falsch, in diesem Schlich der Koalitionäre gewisse faschistische Attribute zu erkennen.

Führer befiel, wir fürchten!
Einer der Grundpfeiler jeder faschistischen Bewegung ist der Opfermythos. Ein Opfer lebt in steter Furcht. Die furchteinflößenden Geschichten gleichen einander allerorten und immer wird dabei behauptet, die gesellschaftliche Mehrheit würde unterdrückt. Von Feministinnen, von Ausländern, von Homosexuellen, von Linkslinken etc. Was immer gerade als Schreckgestalt dient und »uns« vorschreiben will, wie »wir zu leben haben«. Es scheint, als haben die Regierungsparteien mit der Drohkulisse »Flüchtlingsstrom« und »Islamisierung« für den Denkapparat der Mehrheitsbevölkerung eine Art Ausschaltknopf gefunden. »Führer befiehl, wir fürchten« wurde damit zum geheimen Wahlspruch einer Bewegung, die, einst von Jörg Haider ersonnen, in Österreich jahrelang (weitgehend ohne echten Widerspruch) reifen durfte und die nun von Sebastian Kurz implementiert wurde, um die »schwarze« ÖVP zu erledigen und eine türkisen Welle zu basteln, die weitgehend nur mehr Loyalität kennt, aber nicht mehr die Debatte.

Nun könnte besonnen gewarnt werden, das Wort Faschismus nicht leichtfertig in den Mund zu nehmen, damit es sich nicht vorschnell abnutzt. Tatsächlich gibt es ja auch keine dezidiert faschistische Programmatik der Regierung. Nur sollte dabei eins bedacht werden: Kurz, Strache, Kickl und Co have no place to go. Es gibt keine gesellschaftlichen Ziele, die aus dem Programm der jetzigen Regierungskoalition ablesbar wären, die mehr sind als das bekannte neoliberale Muddling-thru, mithin Erfüllungsgehilfenschaft der Industriellenvereinigung. Die ist aber nicht krisenfest. Sind die Sprüchlein verbraucht, kippt die Stimmung wegen wirtschaftlicher Krisen, dann kann diese Regierung nur den bereits schrillen, hetzerischen Ton verschärfen und verschlimmern, was sie bereits angerichtet hat. Probleme lösen, die man selbst geschaffen hat, ist Teil jener Herrschaftslogik. Die Auswirkungen lassen sich an anderen Orten der Welt bereits gut beobachten. Brasilien, Polen, USA, drei Beispiele für die nächste Stufe des aktuellen Faschismus. Höchstgerichte werden umgebaut, den politischen Gegner*innen mit Gefängnis gedroht und ja, es gibt auch wieder Fackelmärsche. Mögen sie noch so putzig aussehen, mit den Gartenfackeln aus dem Baumarkt. Auch gibt es heute schon Stimmen in der österreichischen Koalition, die nach militärischen Mitteln in der Flüchtlingsbekämpfung rufen und die Registrierung von Juden und Moslems empfehlen (Bösch, Waldhäusl).

Die Angst vor der Angst
Jetzt ist die große Quizfrage, warum machen die Mitglieder einer freien und offenen Gesellschaft bei diesem offenbaren Umbau der Gesellschaft zu einem, wenn vielleicht noch nicht faschistischen, dann aber doch autoritären Staat mit? Persönliche Vorteile aus Hierarchie und Unterdrückung haben nur »die da oben«. Und die mag man ja eigentlich nicht. Die Erklärung liegt in etwas, das stärker ist als jedes Argument und stärker als jede Nutzenabwägung: der Angst. Irrationale Gefühle sind mächtiger als Argumente. Der Kulturwissenschaftler und Ökonom Walter Ötsch stellt seit Jahren die entscheidenden Fragen zu diesem Phänomen. Er war ein umsichtiger Chronist des Haiderismus und musste erkennen, wie wirksam die Masche mit dem Schüren von Ängsten ist. Jetzt zog Ötsch gemeinsam mit Niko Mayr und einer Kamera bewaffnet durch die Lande und interviewte eine illustre Runde:

  • Isolde Charim, Philosophin und Publizistin (Wien)
  • Klaus Dörre, Soziologe (Institut für Soziologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena)
  • Silja Graupe, Ökonomin und Philosophin (Institut für Ökonomie, Cusanus Hochschule, Bernkastel-Kues)
  • Sabine am Orde, Journalistin (»die tageszeitung«, Berlin)
  • Klaus Ottomeyer, Sozialpsychologe und Psychoanalytiker (Institut für Psychologie, Universität Klagenfurt)
  • Walter Pachler, Psychotherapeut (Pro Mente Wels)
  • Harald Schwaetzer, Philosoph (Institut für Philosophie, Cusanus Hochschule, Bernkastel-Kues)
  • Marlene Streeruwitz, Literatin (Wien)
  • Claus Thomasberger, Ökonom (Fachbereich Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin)
  • Ruth Wodak, Sprachwissenschaftlerin (Universität Lancaster, Universität Wien)

Gemeinsam versuchen sie dem Rechtsruck und der kaum erklärlichen Anziehungskraft der Demagogie, die heute niedlich »Populismus« genannt wird, nachzuspüren. Der Ansatz der Filmemacher ist klar und klug gewählt. Ein Gespräch hilft, den diffusen Nebel zu lichten, der es den populistischen Kräften gerade so einfach macht. Also, reden wir! skug ist bei so etwas gerne mit dabei und will nach Kräften unterstützen. Folglich eines unserer unvermeidlichen Gewinnspiele, bei dem es 1 x 2 Karten für den Film zu gewinnen gibt: Bei Interesse an der Veranstaltung im Filmhaus Wien also bitte bis 28. Oktober 2018 eine E-Mail mit vollständigem Namen an gewinnspiel@skug.at senden. Die Gewinner*innen werden nach Zufallsprinzip ermittelt und per E-Mail verständigt. Rechtsweg und Barablöse sind ausgeschlossen. Persönliche Daten werden zur Gewinnverständigung verwendet und nicht weitergegeben.

»Rechtsruck. Zehn Gespräche. Gegen Angst.« AT 2017 | 62 min | OV.
Special Screening am 29. Oktober 2018 um 20:15 Uhr im Filmhaus.
Nach dem Film Publikumsgespräch mit Walter Ötsch und Niko Mayr.

Links: https://www.filmcasino.at/film/rechtsruck/
https://www.walteroetsch.at/film-rechtsruck-zehn-gespraeche-gegen-angst/