»Ha’Mishlahat« © JFW
»Ha’Mishlahat« © JFW

»I need to go to Auschwitz«

Der Regisseur Asaf Saban erzählt in »Ha’Mishlahat« auf überraschend witzige Weise, wie sich eine Gruppe junger Israelis mit ihrer Herkunft auseinandersetzt. Gezeigt wird der Film auf dem diesjährigen Jüdischen Filmfest Wien von 4. bis 22. März.

Es gibt etwas, das für die meisten heranwachsenden Israelis am wichtigsten ist: Der Alltag mit seinen ganz normalen Problemen, wie Zukunftsängste und die Liebe und das Leben überhaupt. Ähnlich wie in anderen Ländern ist die Beziehung zur Nation auch in Israel nichts Natürliches, sondern etwas, das durch Kultur und Bildung hergestellt wird. Die nationale Identität wird zum Beispiel durch Siege in Schlachten wie die des Unabhängigkeitskrieges und des Sechstagekrieges geprägt. Zwar ist auch die Shoah tief verankert im Gedächtnis des Staates Israel, jedoch weniger präsent als die Auswirkungen des seit Jahrzehnten andauernden Konflikts und demnach natürlich wesentlich weniger greifbar. Aus diesem Grund fahren regelmäßig Gruppen junger Schüler*innen nach Polen und schauen sich die Gedenkstätten der ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager an, um das Erbe Israels besser zu verstehen und lebendig zu halten. Hiervon handelt der zweite Langspielfilm »Ha’Mishlahat« (»Delegation«) von Asaf Saban. Aber eben nicht nur von Hass und Barbarei, sondern allen voran handelt der äußerst lustige Film von Liebe.

Die Reise beginnt mit israelischem Pop-Rock, Teenager im fortgeschrittenen Stadium ihrer Pubertät machen schwarzhumorige und schlüpfrige Witze, jemand riecht an der Unterhose einer Mitschülerin. In Majdanek wird ein hipper Tanz aufgeführt. Die Art und Weise der Jugendlichen, mit der Ungreifbarkeit der Shoah umzugehen, ist sehr von jüdischer Kultur geprägt; der Witz fungiert als eine Art Hebel, den Schrecken in Schach zu halten und ist dabei der Sache gegenüber niemals verächtlich. Und doch wird am Ende verständlicherweise viel geweint. Als Frisch, einer der drei Hauptdarsteller*innen, sich bei einer Pause unbemerkt aus dem Bus schleicht, und dieser ohne ihn weiterfährt,  muss er den Weg per Anhalter fortsetzen. Als er dann den polnischen Fahrer eines Transporters mit »I need to go to Auschwitz« anspricht, darf er einsteigen. Die Frage »Also bist du ein Jude?« wird von Frisch bejaht und der freundliche Mann nimmt ihn mit nach Hause, gibt ihm so etwas wie Sauerkraut zu essen und hat eine erste kleine Überraschung für ihn: In seinem Lagerhaus zeigt er ihm stolz sein Exemplar des berühmten israelischen Softpornos »Eis am Stiel« auf VHS. In Kürze stellt das kleine Dorf eine eigene Delegation: Frisch wird zu ihrem »Dorfjuden« und Saban schafft es hier, wie auch sonst im Film, gekonnt, Witz und Absurdität darzustellen, ohne ins Lächerliche zu verfallen und Klischees zu bedienen.

»Ha’Mishlahat« (»Delegation«) von Asaf Saban ist beim Jüdischen Filmfestival Wien am Mittwoch, dem 6. März 2024 um 18:00 Uhr im Top Kino zu sehen.

Link: https://www.jfw.at/delegation 

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