»Jazz Reissues«

Zu viele Alben, tatsächlich aber zu viele großartige Alben! Ich liebe JOHN FRIGO. Er swingt!

Zu viele Alben, tatsächlich aber zu viele großartige Alben! Ich liebe JOHN FRIGO. Er swingt! Frigo hat seinen eigenen Stil Geige zu spielen der etwas an Grappelli oder Venuti erinnert. Lässige und äußerst entspannte Sessions (so kann sich der Swing unter den Fingern besser breit machen), aufgenommen 1957 in Chicago. Damals noch ein alltägliches Album, erscheint es uns heute als höchst qualitativ. Tony Scott und das ROGER KELLAWAY CELLO QUARTET zeigen eine ähnliche Herangehensweise, um gute Musik zu produzieren. Jedes der Alben überzeugt. Entweder durch die Instrumentierung oder durch den lässigen Lounge-Charakter als solchen. Wahrscheinlich sollten diese Alben ein größeres Publikum ansprechen. Eingefleischte Jazzfans hätten wohl kaum Einwände gegen würzigere Sessions erhoben. Jedenfalls wurde das Roger Kellaway Cello Quartet im Jahre 1970 für A&M aufgenommen und ist etwas mehr am Puls der Zeit als TONY SCOTTs »Ode To An Oud« (der Titel sagt schon alles). Scott covert alle Sorten von populärer und tanzbarere Musik, in gewisser Weise der perfekte Soundtrack zu Liebesaffären eher älterer Semester. ARCHIE SHEPPs 1972 entstandenes Werk »Cry For My People« ist ein hochklassiges Gospel-Album mit etwas rohen Saxophon-Interventionen aus dem Hintergrund. Jede Menge Stimmen, eine volle Ladung Brass und viel Soul. YUSEF LATEEFs »The Golden Flute« ist hier wahrscheinlich das puritanischte Jazz-Album (Tenorsax und Flöte begleitet von einem Piano-Bass-Drum- Trio). Zwischenzeitlich ist dies ein hochbekanntes Album, ein Klassiker, dennoch ist es immer wieder eine Freude Lateef zu hören. Und zu guter Letzt die besonders begrüßenswerte Neuauflage des großartigen STUFF SMITH mit seinem »Cat On A Hot Fiddle« aus dem Jahr 1959. Wahrscheinlich ist Stuff Smith wie Slim & Slam und andere Legenden der 30er und 40er zur Gänze aus unseren Plattensammlungen verschwunden. Aber vielleicht hat ja ihre Großmutter noch ein paar Schellacks. Smith spielt Geige, singt und swingt mit großem Unterhaltungswert. Ich schreibe hier von Prä-James-Brown, George-Michael- oder Avril-Lavigne-Zeiten. Smith spielt fantastisch, scharf und voller Swing, immer etwas Öl ins Feuer gießend, ohne jedoch das Ganze je anbrennen zu lassen. Dieses Album sollten Sie so bald wie möglich erstehen. Es macht jedoch aus verschiedensten Gründen Sinn all diese Neuauflagen zu erstehen. Als Hauptgrund erachte ich, dass eine »Arbeits-Session« der damaligen Zeit gleich gute Resultate erbringt wie ein heutiges Topalbum. Mir geht es hier nicht um Nostalgie sondern um Arbeit. Es ist halt etwas anderes, wenn Leute fünf LPs täglich aufnehmen, als wenn, wie heutzutage, Monate für die Produktion einer einzigen Platte draufgehen. Genießen Sie, alles gehört auch Ihnen! Erschienen bei Verve/Universal.