Ai Phoenix

I've Been Gone - Letter One

Racing Junior

Hhmmm. Die neue von Ai Phoenix in voller Länge? Moment. Irgendetwas passt da nicht ins Bild und läuft aufs Entschlossenste gegen die Einbahnstraße Erwartungshaltung. Blick auf den Kalender, Handhaltung aus dem Fenster, gefrostetes Zurückziehen derselben – kühl und deutlich jahreszeitet es, der auf früheren Ai-Phoenix-Tonträgern versprühten Atmosphäre gemäß. Die Legung der internationalen Veröffentlichung in den Zeitraum mit abnehmender Sonnenstundenzahl ist eine Selbstverständlichkeit. Bloß »dumm«, dass das Trio aus Bergen mit dieser CD zur großen Charmeoffensive ansetzt. Der obligate »unser bestes Album«- Pressetextslogan, der durch seine Allgegenwart sich im Wert zur Absatzankurbelung geschmälert haben müsste, hat in diesem Fall Wahrheitsgehalt. Die Band ist sich in Grundton und Aufnahmetechnik treu geblieben; die fadig geschichteten Liedstücke werden meist von Mona Mørks zurückhaltender Singweise geprägt, die sich zauberhaft wie einfach in den Vordergrund schleicht. Dieses Fesselungsvermögen ist ein Ansetzen am vielgelobten »Lean That Way Forever«; jedoch wird hier nicht mehr geradewegs in die Nachdenklichkeit gesteuert, sondern ein schrittweises Hochziehen der Mundwinkeln bewirkt. Ai Phoenix haben unerwartet die Kunst entdeckt, durch Detailzufügung an Gewohntes aus melancholischen Weisen strahlende Popmelodien – z.B. »Call Me In, Piccard« – zu drehen, die sich mit ein wenig Geduld zum Ohrwurm wachsen.