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Irreversible Entanglements

»Future Present Past«

Impulse!/Universal

»Don’t Lose Your Head!« Ein ebenso gut gemeinter wie zeitweise schwer zu befolgender Ratschlag der Irreversible Entanglements. Selbst gehen Camae Ayewa, Aquiles Navarro, Keir Neuringer, Luke Stewart und Tcheser Holmes auf ihrem fünften Album mit bestem Beispiel voran. Die zehn neuen Tracks klingen ebenso fokussiert wie leichtfüßig. Mit größter Selbstverständlichkeit verbinden sie all ihre in elf Jahren gereiften Einflüsse von Afrokaribischem, Afro Beat, Latin, Spiritual und natürlich Free Jazz. Wie schon ihr Impulse!-Debüt, das Vorgängeralbum »Protect Your Light« (2023), wurde auch »Future Present Past« im legendären Van-Gelder-Studio aufgenommen. Vermutlich gibt es keinen besseren Ort für Coltrane-inspirierte Musiker*innen. Man muss ja kein Mitglied der Church of John Coltrane sein, um sich von dessen Spirit, der Ahnung von universeller Kraft und Liebe, in seiner Musik zärtlich bis ekstatisch ausgedrückt, ergreifen zu lassen. Und solche Vibes werden auch hier spürbar. Denn so wie sich die legendäre Bassline von »A Love Supreme« oder die Melodie von Pharoah Sanders’ »The Creator Has a Masterplan« einfach mitsummen lässt, so verfangen auch die Ohrwürmer der Entanglements; z. B. »Free Love« auf dem Vorgänger oder nun ganz frisch »Don’t Lose Your Head«, als viersilbiger Chant so einprägsam wie »Space Is the Place«. Aber noch befinden wir uns auf Erden. Camae Ayewas pointierte Worte, bewährt eindringlich mit charismatischer Stimme vorgetragen, machen daraus einen Protestsong: »We must unite. We must learn the lessons. Don’t lose your head messing with the gods.« Mit Blick auf die ganz großen Jazz-Traditionslinien rückt das bewusst eingesetzte agitatorische Element die Entanglements näher zu Abbie Lincoln, Max Roach und den frühen Archie Shepp als zu Coltrane, Sanders und Sun Ra. Denn Ayewa versteht es ohne Zweifel, zu insistieren. Beim treibenden »Panamanian Fight Song«, angefeuert von Navarros Trompete, wird man freilich auch an Charles Mingus’ »Haitian Fight Song« erinnert. Die Mühen der sozialen, politischen, historischen Kämpfe werden zumindest perspektivisch in »Vibrate Higher« kurz hinter sich gelassen: »Our peace’ll keep us alive.« In der Tat vibriert, swingt und groovt das elektrisierende Zusammenspiel hervorragend. Dazu passen auch noch die Gastvokalist*innen Motherboard (Kyle Kidd) und Helado Negro. Was für ein fantastisches Album!

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