Philippe Petit

»Hitch-hiking Thru Bronze Mirrors«

Aagoo Records

Mit dieser CD ist die Trilogie »Extraordinary Tales of a Lemon Girl« von Philippe Petit abgeschlossen. Der französische »musical travel agent«, ein Veröffentlichungsberserker, ist ein Schalk devianter Poppraktiken. Das »Lemon Girl« lässt sich als Alice im Wunderland lesen, das Cover von »Mirrors« erinnert an den Sci-Fi-Thriller »Demon Seed«: Wie schon auf den vorigen Teilen »Oneiric Rings on GreyVelvet« und »Fire-Walking to Wonderland«, handelt es sich bei diesen außergewöhnlichen Geschichten um instrumentale Reisen. Mit Piano und so eigentümlichen Instrumenten wie Cymbalum und Psalterion, die Konnotationen zu Mittelalter und Psalmenliturgie aufwerfen, entspinnen sich meditativ-abstrakte Soundlandschaft von ambivalenter Schönheit, die italienische Gialli genauso inkorporiert haben wie Musique Concrète. Zu Ausbrüchen kommt es nicht. Vielmehr findet das »Lemon Girl« zurück in ihr Häuschen auf der anderen Seite des Regenbogens. Der Weg dorthin ist indes gespickt von Suspense-Momenten, allerlei absonderliche Begebenheiten gilt es zu bewältigen. Das verstimmte Psalterion lässt in seiner Röcheligkeit an John Cages Saitenmanipulationen denken, vielleicht wollen wir gar nicht wissen, was Petit im Resonanzkasten anstellt. Am sinnigsten macht sich »Extraordinary Tales« im Regal neben »Alice in Wonderland« von Randy Greif. Mittlerweile ist »Tales« als Dreifach-CD und -LP auf Aagoo erschienen. Aber jeder Teil steht für sich selbst, jede Geschichte ist in sich abgeschlossen. Romantisch und sinister.