Philippe Petit

»Henry: The Iron Man«

Aagoo/Cargo

1980s revisited: Diese CD ist ein Re-Release der ersten Platte des aus Marseille stammenden Musikers und Labelbetreibers Philippe Petit (BiP_hOP), die er 2009 für Beta Lactam Ring Records veröffentlicht hatte. Hier werden zwei der prägendsten Filme der Achtziger, nämlich Lynchs »Eraserhead« und Tsukamotos »Tetsuo«, aufeinander losgelassen. Ein Unterfangen, das zwar mehr als auf der Hand lag, aus irgendwelchen Gründen indes bisher noch nicht unternommen worden war. So hei&szligen die Tracks bezeichnenderweise »Salaryman’s Dream«, »In Tokyo, Henry Spencer Is Fine« und, wie könnte es anders sein, »Lady In The Radiator Meets The Fetishist«. Immer schon schwerst bewusst um deviante popkulturelle Implikationen, dringt Petit in die fremdartigen Drones von Alan R. Splets Originalsoundtrack ein, affirmiert Turntablism, indem er dem Vinylrauschen paradigmatische Qualitäten herauslockt, und eröffnet ein psychedelisierendes Feld, das vor existentieller Dunkelheit nur so glitzert. Dieses Magma glost in grobkörnigem Schwarz-Wei&szlig, gemahnt ab und zu an Stimmungen wie etwa bei Hafler Trio, das Rauschen auf der Platte gerinnt zur akustischen Umdeutung des Rauschens im Kopf und der Transformation in andere, metallische Bewusstseinszustände. Auf »Tokyo« spinnt der französische Saxofonist Perceval Bellone spooky Dröhnen dazu. »Henry« ist ein cinephiler Mind-Trip, eine Eigenschaft, die, so scheint’s, Petits originäre Qualität darstellt; siehe seine unlängst erschienene CD »Off to Titan« für die Deutsche Grammophon. Verstörend schön.