Erstes Wiener Heimorgelorchester

»Happy Lamento«

Lindo Records/Hoanzl

Schwupps, und zwanzig Jahre sind schon wieder vorbei, kaum zu glauben. Das muss wohl daran liegen, dass für eine/n mit zunehmendem Alter die Zeit subjektiv flotter vergeht. Für die Herren des EWHO ist es vermutlich egal ob fünf, zehn oder zwanzig Jahre, verdammt gut waren sie nämlich zu jeder Zeit. Sicher kam es zu einer Verfeinerung der Heimorgelkompetenzen, anderseits besteht die Gefahr der uninspirierten Wiederholung. Bei den Herrschaften Pfeffer, Plank, Florian und Daniel Wisser brauchte man sich da aber nie Sorgen machen, weil der ureigene Sound, den sie aus ihren Schmalspur-Synths kitzeln, sich so klar von allem anderen abhebt. So haben ihre Alben schon große Ähnlichkeiten, das muss jedoch als Stil betrachtet werden. Man kann sich das EWHO gut als legere, total abgerüstete Taschen-Version von Kraftwerk, deren »Mensch Maschine« es ja in voller Länge gecovert hat, vorstellen. Mit allen feinen Unterschieden, die Österreicher und Deutsche außer der gemeinsamen Sprache noch so trennen.
»Happy Lamento« ist wieder ein wunderbarer Titel, der ihre Sprachverliebtheit demonstriert. Dass sie auch noch Spezialisten in Sachen gesunder Ernährung sind, machen sie in »Wurst-Käs-Szenario« klar: »Das Telefon ruht / Es gibt keinen Strom / Es gibt nur Schinken und Gouda und Speck und Jerome«. Was für ein Reim über luftigem Groove! Und ein Song, der sich flugs im Ohr einnistet, wie das folgende »Wien Wien wie es zweimal war«. Im nächsten Dreierpack verwandelt das EWHO Texte von Barbi Markovic, Pia Hierzegger und dem vom Quartett verehrten Andreas Okopenko in teils hochkomische aurale Skulpturen. Der letzte Block widmet sich Aktualisierungen bereits veröffentlichter Songs. Fast prophetisch wurde in »Eichna sollst du Weichna«, das bereits 1999 erschien, der allseits beliebte Tick von Verteidigungsminister Klug an Worte ein unmotiviertes »-na« anzuhängen, vorweggenommen. Das Drübersprech-nur-noch-Duo Maschek nimmt aktuell diese Marotte mit großem Erfolg auf die Schaufel. Es folgt die extrem lässige Prolo-Parodie »Gemma Disco«, die wegen des eher knappen Textes (»Gemma Disco / Disco ist super«), auch mit drei Promille noch stilsicher mitgegrölt werden kann, bei keiner alkoholgeschwängerten oder sonstwie beeinträchtigten Sause fehlten sollte. Das Titelstück, mit fast acht Minuten das mit Abstand längste, erledigt mit Bontempi-Hawaiigitarre, stoischem Rhythmus und ebensolchem Gesang den würdigen Kehraus. »Ein Smiley der weint / Happy Lamento«, wie passend. Mehr oder minder hidden kriecht noch eine (Live-)Heimorgelversion von Opus‘ »Live Is Life«, die zu Lachkrämpfen reizt, aus den Boxen. Das EWHO kann die hochliegende Latte der Erwartungen wieder überspringen. Zum 20er erscheint, konsequent für die Herren mit Neigung zur Literatur, ein Buch mit den gesammelten Songtexten. Aber jetzt gemma endlich Disco!