Canyons of Static

»Farewell Shadows«

Oxide Tones

Presseaussendungen, die neue Alben bewerben sollen, sind ja grundsätzlich
eine zweifelhafte Angelegenheit. Warum Post Rock-Veröffentlichungen aber
mit den tendenziell dümmsten solcher Waschzettel daherkommen ist mir ein
Rätsel. Möglicherweise liegt es an dem sphärischen, ätherischen, spacigen etc.
Vokabular das man dafür aufbieten kann. Sie sehen schon, ich kann mich selbst
nicht davon losrei&szligen. »Farewell Shadows«, das aktuelle Album der Canyons
of Static aus Wisconsin markiert laut Infotext »the band’s maturity« und schafft
unter anderem ein »tapestry-like picture of intricacy«. Ein Text vollgepackt mit
sogenannten Plastikwörtern, also schwer greifbaren Gemeinplätzen, die immer
dann zum Einsatz kommen, wenn man eigentlich nichts zu sagen hat.

Hört man sich das Album an, so wundert einen das gar nicht, denn »Farewell
Shadows« ist ein Musik gewordenes Plastikwort, das einige Fragen aufwirft:
Wieso müssen Post Rock-Songs immer ruhig anfangen und im ärgsten Lärm
aufhören? Wieso benutzen Post Rock-Gitarristen immer diesen einen Delay-
Sound? Wieso kommen die meisten Post Rock-Bands so konsequent humorlos
rüber? Und die vielleicht wichtigste Frage: Wieso trifft all das so gespenstisch
vorhersehbar auf »Farewell Shadows« zu? Freilich, der Post Rock fristet derzeit
ein Schattendasein, und es mag ein hehres Ziel sein, ihn durch das Abpausen
alter Muster jungen Generationen näherzubringen. Canyons of Static sind aber
derart langweilig, dass sie am Ende noch zu den Totengräbern des Genres
werden könnten. Bei schlechten Krimis wei&szlig man anfangs schon wer der
Mörder ist. »Farewell Shadows« ist so ein Krimi.