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Stochern am offenen Nervenstrang. Die Überdosis Monochrom-Katheter. Kein Zurück. Simulation der Ekstase. Tetris-a-go-go. Es gibt Momente, da fühlt man sich richtig alt. Da war man 15, Pillenpopper, dreimal die Woche im Bonbon-Blitzkrieg des örtlichen Fabrik-Raves. Heute jobbt man mit Nervenschäden und abgebrochenem Studium in einer Bäckerei. Die Wärme und der Stahl der Öfen tun gut. Und man muss nicht mehr zu viel unter Menschen. Aber dann kommen diese Platten: Acid. Acid. Acid. Doch hängen geblieben? Dieser wohltuend fade Dayjob, nur eine Wirklichkeitssimulation? Jetzt doch Space Invaders Style Wars als sexy Cyber-Terminator. Rephlex schaufelt tief in der Mottenkiste, wenn sie jetzt zwei lang gesuchte Obskurperlen von Brian Dougans aushebt. Der war eine Hälfte der Szene-Gottväter Future Sound Of London, die jetzt leider nur mehr halbgar weiter werken. Damals war das noch purer Endorphin-Rausch. Mit den »Humanoid Sessions« sammelt er neben dem legendären wie lang gesuchten Abzappel-Beatbox-Track »Stakker Humanoid« allerlei Stocherpampe zwischen Chicago-Motions, Ibiza-Abschleppe und Residentsscher Weirdo-Sprenksel. Mit »Eurotechno« gibt es zudem den Soundtrack einer damalig halbstündigen MGM-Zusammenstellung zeitgemäßer Rave-Art, sprich shakende Zirkel, Rauten, Kreisel der vorsintflutlichen CGI-Sorte. Das macht in seiner Fetzentrack-Ästhetik einen enormen Spaß. Aber man fragt sich tatsächlich, ob nach zehn Jahren nichts übrig ist als eine hässliche Tapete. Age is a Bitch!

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Text
Paul Poet

Veröffentlichung
14.06.2003

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