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Immolation

»Descent«

Nuclear Blast

Immolation aus Yonkers im US-Bundesstaat New York ist eine der fundamentalen, wegweisenden Bands der amerikanischen Death-Metal-Szene. Mit Alben wie »Here in After«, »Close to a World Below« und »Unholy Cult« haben sie das Genre mitgeprägt wie wenige andere Bands. Das auffälligste Merkmal von Immolation ist fraglos das unkonventionelle Songwriting von Gitarrist Bob Vigna. Er verbindet teils dissonante Harmonik und für Death Metal ungewöhnliche Rhythmik in unerwarteten Songstrukturen zu äußerst dichten Kunstwerken, die auch bei oftmaligem Wiederhören immer wieder neue Geheimnisse offenbaren. Dieser grundsätzliche Gestus des Songwriting ist auch auf »Descent« allerorts zu finden und hat sich bei Immolation seit den Neunziger-Jahren nicht grundlegend geändert, was der Gruppe den Ruf als eine der qualitativ verlässlichsten Death-Metal-Bands einbrachte. Im Vergleich zu den klassischen Werken der Neunziger-Jahre kann man auf den letzten Alben, so auch auf »Descent«, vielleicht von einer etwas eingängigeren, weniger experimentellen und chaotischen Version von Immolation reden. Auch der Sound, für den diesmal nicht Stammproduzent Paul Orofino, sondern Zack Ohren – vor allem für viele Produktionen für die kalifornische Extreme-Metal-Szene bekannt –  verantwortlich zeichnet, entspricht eher modernen Klangvorstellungen. Dies ist aber keinesfalls als Kritik zu verstehen, vor allem der sehr räumlich-plastische Drum-Sound sei an dieser Stelle lobend erwähnt! Thematisch haben sich Immolation nach einem Ausflug in sozialpolitische Kommentare und Verschwörungstheorien spätestens seit dem Vorgängeralbum »Acts of God« wieder eindeutig der Religionskritik verschrieben. Wie schon immer steht bei den New Yorkern hier aber nicht eine blasphemische Haltung – wie etwa bei Deicide – im Vordergrund, sondern Kritik an den weltlichen Auswirkungen organisierter Religion, insbesondere des Christentums. Bassist und Sänger Ross Dolan, neben Vigna das zweite übriggebliebene Gründungsmitglied, verkündet die unheilschwangeren Botschaften überzeugend und trägt gemeinsam mit Drummer Steve Shalaty und dem zweiten Gitarristen Alex Bouks auf durchwegs beeindruckend hohem technischem Niveau zum überzeugenden Gesamteindruck bei. Alles in allem ist »Descent« ein sehr gutes, modernes Death-Metal-Album einer klassischen Band und sollte es als solches schaffen, sowohl eingeschworene Immolation-Fans als auch neue Hörer*innen anzusprechen. Live zu sehen und hören sind Immolation auch im Viper Room Vienna am 31. Juli 2026.

Home / Rezensionen

Text
Ulrich Musa-Rois

Veröffentlichung
27.04.2026

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