Noah Kahan ist das kommerzielle Aushängeschild des aktuellen Booms von Americana und Folk Music. Dem aus Strafford, Vermont, stammenden Musiker gelang mit seinem letzten Album »Stick Season« 2022 der absolute Durchbruch in den Mainstream. Lange ritt er die Welle des Erfolgs und veröffentlichte insgesamt vier Versionen des Albums, auf Spotify hat er mehr als 28 Millionen monatliche Hörer*innen und »Stick Season« erreichte vierfach Platin in den USA. Geschafft hat Kahan dieses PR-Meisterstück natürlich mit TikTok, zwei Jahre vor der Veröffentlichung des Songs »Stick Season« begann er, immer wieder Snippets zu teasern, und der Song war schon viral, bevor er überhaupt publiziert wurde. Aber bei allem kommerziellen Erfolg muss man auch sagen: Der Typ hat schon was drauf. Natürlich klingt vieles doch recht poppig, aber irgendwas ist da, das auch eingefleischte Genrefans anspricht. Die Chance war groß, das Kahan noch mehr in Richtung Pop geht, aber nein: Das neue Album »The Great Divide« behält das gewisse Etwas und neigt eher zum Folk als zum Pop. Hochkarätige Mitwirkende wie Justin Vernon und der wohl angesagteste Produzent der Stunde, Aaron Dessner, zeugen von Qualität. Inhaltlich behandelt Kahan den Umgang mit seinem Erfolg, die Distanz zu seinem früheren Leben und den Menschen, die deshalb nicht mehr um ihn sind. Aber es geht natürlich auch wieder viel ums Autofahren, das Leben in New England und Cops. Wie bereits auf »Stick Season« dreht es sich auch wieder um psychische Gesundheit und den Alkoholkonsum des Künstlers. Die wichtigsten Instrumente des Albums sind eindeutig Akustikgitarre und ein treibendes Schlagzeug, es finden sich aber auch Banjos, Mandolinen und sogar ein Hurdy Gurdy im Mix. Der Titelsong »The Great Divide« ist lyrisch besonders hervorzuheben, er beschreibt mit cleveren Metaphern eine vergangene Freundschaft und was die Erinnerung an sie heute noch mit ihm macht. Ein weiterer besonders gelungener Song ist »Headed North«, ein toll aufgenommener Track, der genau so klingt, als würde man mit Kahans Gruppe an einem Sommerabend am Lagerfeuer sitzen. Noah Kahan schafft es wirklich, sein Niveau weiter zu steigern, und dürfte bei seinen Fans dennoch weiterhin gut ankommen. Er leistet lyrisch, atmosphärisch sowie gesanglich Großes und kehrt sich eher seinen Roots als dem Mainstream zu.
Noah Kahan
»The Great Divide«
Mercury Records
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