Erstes Wiener Heimorgelorchester

»Die Letten werden die Esten sein«

Ohm Records

Kaum zu glauben, dass es das Projekt Erstes Wiener Heimorgelorchester (EWHO) schon weit über 20 Jahre gibt. Dementsprechend hat das EWHO neben vielen Sampler-Beiträgen auch schon rund 15 Alben veröffentlicht. Zu den bekanntesten davon gehören »Widerstand ist Ohm« von 2009 (mit dem gleichnamigen Song gewann die Band den Protestsongcontest) und das zum 20-Jahre-Jubiläum erschienene »Die Mensch-Maschine«, eine LoFi-Version des Kraftwerk-Klassikers. Mit »Die Letten werden die Esten sein« legen Thomas Pfeffer, Jürgen Plank, Daniel Wisser und Florian Wisser nun ein Album vor, das bereits im Titel das Faible des Quartetts für verknappte Literatur offenlegt. Neben der Beschränkung auf die Verwendung von Kinderzimmerorgeln aus dem Hause Yamaha, Casio, Bontempi etc. hat das EWHO mit seiner ausgeprägten Neigung zur gern auch blödelnden Dichtung schon zwei Merkmale vorzuweisen, die man im Wirtschaftssprech kurz als USP bezeichnen würde. Dazu singt die Band über weite Strecken voluminös vierstimmig, was einen ziemlich phetten Sound ergibt. Passende Vergleiche zu anderen Bands lassen sich im Fall EWHO kaum ziehen, was als gutes Zeichen zu werten ist. Wer macht schon Texte, die wie im hymnischen Titelstück auf dem Weglassen von Buchstaben und Anspielungen auf Bibelzitate beruhen? Oder ein Stück das »ente entfalte dich« heißt? Thematisch wird in den Songs u. a. der Modedrink Hugo durch den Kakao gezogen, Partnervermittlung verballhornt oder die Unverständlichkeit von Hits lyrisch verhandelt. »mensch-firmenschild« spielt auf Kraftwerk-Basis launig mit Worten, die »Mensch« enthalten. Tragikomisch wird es am Schluss mit »sad song« in englischer Sprache, das auf fast alle Verben verzichtet.

Gast als Textlieferant aus der Literaturszene ist diesmal Antonio Fian (der bei der Albumpräsentation im Wiener TAG auch Gedichte las), dessen Text zu »in fahrtrichtung« nicht nur unterschwellig auf Ernst Jandls bekanntestes Gedicht verweist. Dass sich die schräge, vor absurdem Humor und verwegenen Wortspielen nur so strotzende Lyrik des EWHO auch zwischen zwei Buchdeckeln gut macht, kann man in »Widerstand ist Ohm« (Verlag: Plag dich nicht), den gesammelten Texten des EWHO, nachlesen. Unlängst ist dazu ein Appendix erschienen.

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