Various Artists

»Early Rappers. Bigger than Hop - the Ancestors of Rap«

CD

Popmusik, die sich an klassischen Avantgardevorstellungen orientiert, legt meist gro&szligen Wert darauf, als pompöser Neuanfang aufzuschlagen. So genannte »Black Music« versteht sich dagegen (wie ungehört sie auch daherkommen mag) eher als die allerneuste Ausstülpung eines Kontinuums, das bis in ein (imaginäres) Afrika zurückreicht. Dadurch fängt sie sich zwar einen Wurzelbegriff ein, der immer noch für viel essentialistischen Muff gut ist, verweigert sich aber bürgerlichen Geschichtsauffassungen, die Fortschreiten nur als Niedertrampeln denken können. So war Rap um 1980 nur das allerneueste Soundsystem, um die pophistorisch akkumulierten »Stimmen« der AfroamerikanerInnen neu zusammenzusetzen. Die HipHop-Dialektik aus Innovation und Tradition ist eine Geschichtsbewusstseinserweiterungstechnik und viel näher an Walter Benjamins »Archäologie der Hoffnungen« als popavantgardistische Formal- und Verbalradikalismen. Die sind ja eh am besten, wo sie durch »Black Music« wieder korrigiert werden. Aber das wussten wir natürlich schon – jedenfalls so ungefähr. Trotzdem ist es manchmal hilfreich, wenn sich Wissen als handliches Coffeetable-Objekt materialisiert (und Bekannten unter den Baum gelegt werden kann). Für »Early Rappers« hat Jonathan Fischer sein olympisches Wissen zu einem Trikontsampler-Blockseminar arrangiert, das hauptsächlich der Gesangsspur folgt, um die Erbschaftsverhältnisse im Rap zu klären. Dem Rappen stellt Fischer bis in Cab Calloways Hep Talk, den Talking Blues, das Balzverhalten eines Bo Diddley oder das Toasten jamaikanischer DJs nach. ?berall dort entstehen wahlweise in Parallelmontage oder als Fortschreibung von Griot-Traditionen Styles, Themen und Inszenierungen, die dann später zu HipHop zusammenschie&szligen. Sampling hingegen taucht erst im – wie immer – auf engstem Raum maximal informativen Booklet auf. Aber die europäische Trennung von Musik und Sprache wurde in Jazz, Blues und Soul, ja selbst in House und Dubstep nie mitvollzogen. Sound war hier stets eine Kommunikationsform, die die dummen PlantagenbesitzerInnen nicht verstehen und damit eine Waffe in einer Informationsgesellschaft, die immer den Anderen gehört. Dass Eloquenz und Gro&szligmäuligkeit aber auch schnell in reaktionären Mist und Verschwörungsstuss umschlagen können (hier dargestellt durch die Last Poets, die mal wieder über den Zusammenhang zwischen Dollarnoten und Freimaurerei aufklären wollen), darf dabei allerdings auch nicht verschwiegen werden.