Apparat

Duplex

Shitkatapult

Sascha Ring, Co-Chef von Shitkatapult, hat nun unter dem gleichsam irreführend wie martialischen Namen »Apparat« sein drittes Album vorgelegt. Ein opus magnum im wahrsten Sinne des Wortes, das wohl auch seine beiden Vorgänger in einem neuen Licht erscheinen lässt. Wer glaubte, Shitkatapult stehe seit jeher nur für Frickeln und Knarzen, wurde schon bei einem wunderbaren Release von Sami Koivikko letztes Jahr eines Besseren belehrt. Unwörter wie Knarz-Techno wurden schon damals durch eine gesunde Portion Wärmezufuhr ad absurdum geführt. Auf eine ungewöhnlich direkte Art rockte sich das Ding sympathisch über die angeblichen Genregrenzen hinweg. Beseelte Mathematik. Nun scheint Shitkatapult sein Spektrum um eine neue Gangart bereichert zu haben. Seine Spannung bezieht das Album ganz klar aus Gegensätzen, aus einer Mischung von Wärme & Kälte, von Rhythmik & Melodie, von der ständigen Wechselwirkung zwischen Elektronik & Akustik und von Beat & großflächig angelegten Soundteppichen – die in ihrer epischen Dichte an die gelungensten Momente der Steve Reich-Remixes erinnern. Ring holte sich erstmals leibhaftige Musiker ins Studio. Auf »Schallstrom« etwa eröffnen zarte Bläser, die ein betrunkener Mark Hollis nicht weltfremder und gleichzeitig ergreifender arrangieren hätte können, einen Reigen von Verfremdungen und Überlagerungen, die justament wenn man sich auf Ambient eingestellt hat, durch einen treibenden Beat, der sich langsam über den Teppich wuchtet und dem ausufernden Ganzen Konturen verleiht, dekonstruiert werden. Irgendwann beißt sich das Ganze so im Organismus fest, dass man unweigerlich zu wippen beginnt, ohne es wirklich bemerkt zu haben. »There are things that can never be frickled« heißt es programmatisch auf dem Album-Sleeve. Und tatsächlich scheint »Duplex« dem klassischen Laptop-Sound eine neue Dimension eröffnet zu haben.

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