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The Notwist

»Close To The Glass«

City Slang

Das in der Presseaussendung geäußerte Versprechen (oder die Drohung?), dass The Notwist »keinerlei Veränderung« wollen, kann nicht ganz ernst gemeint sein. Schon »Signals«, der Eröffnungssong, vereint Glitch, Minimal und sogar entfernte Anklänge an Dubstep in für The Notwist ungewohnt energischer Manier. Das folgende, titelgebende »Close To The Glass« schlägt eine ebenso außergewöhnliche Richtung ein. Wilde Tribal-Drums wecken Erinnerungen an Brian Enos und David Byrnes Meisterwerk »My Life In The Bush Of Ghosts«. Die Trademarks der seit 25 Jahren aktiven Band bleiben natürlich auch auf Studioalbum Nummer acht erhalten, etwa im frickelig-nackten »From One Wrong Place to the Next« oder dem schönen »Steppin‘ In«. Demgegenüber stehen Songs wie »Run Run Run«, das mit entsprechender Theatralik und megalomanischer Produktion auch eine Muse-Walze sein könnte, oder »7-Hour-Drive«, dessen textlicher Zartheit eruptive Gitarren der Marke My Bloody Valentine gegenübergestellt werden. Dass Martin Gretschmann der Band gut tut, braucht man im Jahr 2014 eigentlich nicht mehr zu erwähnen, doch auch »Close To The Glass« lebt zu großen Teilen von dessen Befähigung, Songs frickelige Kleider zu verpassen, die nicht zwicken aber auch nicht zu locker hängen. Mit »Lineri« sind auf dem Album außerdem ganze neun Minuten feinsten Ambient-Gretschmanns enthalten. Verginge sich Four Tet an David Bowies »Warszawa«, es würde wohl so klingen. Kaufempfehlung!