Wolves In The Throne Room

»Celestite«

Cargo

Badeurlaub in Sphärisch Hall. Im Black Metal-Bereich gelten sie mittlerweile nicht umsonst als die Hippie-Schwuchteln des Genres, die daddeligen Birkenstock-Trottel am Fuße der Welteiche. Von wegen Ragnarök, dem Trio aus der Riot Girl-Weltstadt Olympia in Washington traut die Schwarzkuttengemeinde gerade mal Fünf Uhr-Tee mit vollveganen Ingwerkeksen zu. Dabei wurde das Konzept Band als düstere Wald- und Wiesenkommune bereits in den späten 1980ern von Neurosis erfolgreich beackert und von diversen Neo-Folkern erfolgreich prolongiert. Unfair auch, wenn sich andere Black Metaller wie Ulver teils in König der Löwen-artigen Ethno-Peinlichkeiten verstricken und Musiker wie Steven O’Malley längst eine Form von intellektualisiertem Brillenschlangen-Doom begründet haben, während die Wölfchen munter gedisst werden. Hard Fact ist, das ihre fünf Platten zum Besten gehört, was die Metal-Zirkel der letzten Dekade verlassen hat. Und so wie eben bei Neurosis 1999 »Times of Grace« und »Grace« als ergänzende zwei Formen desselben Albums in den Inkarnationen Rabatz und Ambient veröffentlicht wurden, ist »Celestite« die zarte Schwesternplatte zum 2011er Meisterstück »Celestial Lineage«. Und die ist ganz Gaia und Baldrian dem krautrockendem Wohlton verpflichtet: New Age-artiges Waldwandern mit Tangerine Dream als Rüstpanzer, Popol Vuh als Lendentuch und Brian Eno als Hodenschutz. Denn auch Raubtiere müssen manchmal kuscheln.