Mark Lanegan Band

»Blues Funeral«

4AD

Man könnte viele Geschichten erzählen über diesen Mark William Lanegan. Der einstige Frontmann der Screaming Trees hat in den letzten Jahren hauptsächlich mit Kollaborationen und Nebenprojekten auf sich aufmerksam gemacht. Von den Altlasten des Grunge mittlerweile grö&szligtenteils befreit, wurden mit illustrer Begleitschaft wie etwa Isobel Campbell (Ex-Belle & Sebastian) oder dem britischen Produzentenduo Soulsavers zunehmend Einflüsse aus Americana, Gospel oder Blues vertont. Und egal ob als Gutter Twin von Kumpel Greg Dulli (dem Sänger der frisch wiedervereinten Afghan Whigs) oder brachialer Stimmgeber in Josh Homme’s verrücktem Wanderzirkus, den Queens of the Stone Age, unterschiedliche Gesichter hatte dieser Mark Lanegan im Prinzip schon immer. Sein erstes Soloalbum seit »Bubblegum« (2004) liefert nun erneut ein wenig anderes und (zumindest von Lanegan) ungehörtes, was in Ansätzen für ein weiteres, neues Gesicht für jemanden sorgt, der, man glaubt es kaum, mit Tom Waits weder verwandt noch verschwägert ist. Gewohnt mystisch und dunkel bleibt die Thematik auf »Blues Funeral«, was im vorliegenden Fall den Begriff der Vergangenheitsbewältigung evoziert. Das hörbar Neue beschränkt sich in erster Linie auf musikalische Arrangements. Dafür hat Lanegan alte, analoge Synthesizer ausgegraben und bezieht sich mittlerweile auf so unamerikanische Einflüsse wie Neu!, Joy Division oder Roxy Music. Lanegan bleibt aber auch hier Lanegan, so manch ein Blues-Stampfer inklusive. Es ist eben immer so eine Geschichte mit den Erwartungen, die an einen gestellt werden. Sein Todesblues-Organ bildet jedoch mitunter nicht mehr das alleinige Fundament, sondern wird in manchen Fällen unterstützt, ab und an sogar getrieben von elektronischem Beatwerk. Paradebeispiel dafür ist »Ode To Sad Disco«, eine Hommage an den Track »Sad Disco« von Keli Hlodversson, dem wohl Lanegan-untypischsten aber gleicherma&szligen auch besten Song der Platte. Hlodversson’s Track entnahm Lanegan aus dem Soundtrack der dänischen Filmtrilogie »The Pusher«, dessen Handlung ein Geflecht aus Drogen, Gewalt und Gefängnis umfasst. Wie war das mit den vielen Geschichten? Es gibt welche, die muss man nicht unbedingt neu aufwärmen. Abgeschlossen mit so manchen Erlebnissen aus der eigenen Vergangenheit, wurde hier mit einem Seufzen aus der traurigen Disco ein neues Kapitel verfasst. Das Ende bleibt offen. Das ist gut so, das ist aber auch Mark Lanegan.


skug empfiehlt:

Mark Lanegan & Band am Donnerstag den 22. März 2012 in der Arena Wien. Den Support geben die Belgier Creature With The Atom Brain, Beginn ist 20:00 Uhr.