Björk

»Bastards«

One Little Indian

Ein böser Mensch sagte einmal, Remixalben seien das Unnötigste auf der Welt. Für diese Aussage hätte ihn Björk schon vor Jahren geohrfeigt, schlie&szliglich hat die Frau diesen Sport beinahe erfunden. Nein, stimmt nicht. Aber sie hat das zumindest so exzessiv betrieben wie kaum jemand sonst. Fast alle ihrer Tracks gibt es als Remix-Versionen, mindestens zwei Alben sind bereits komplett als Remix-Alben erschienen. Das ist nur stimmig, schlie&szliglich hat sich Björk seit ihrem zweiten Soloalbum »Post« nur die angesagtesten Elektroniker ins Studio geholt, umso mehr als sie seit »Medulla« die Sphären des volksnahen Pop endgültig verlassen hat und nur noch in ihrer eigenen Kunstpopliga spielt. Man kann sich also gut vorstellen, wie Björk bei »Bastards« mit erhobenen Zeigefinger im Studio hinter den Elektronikern stand und forderte: »Macht mir ja feinen Tanzflurpop daraus! Und rührt meinen Gesang nicht an!« So war das natürlich nicht, das Resultat ist trotzdem ein wenig so. »Bastards« gehört zu jenen Remixalben, die definitiv eingängiger und zugänglicher als das Original sind. Mehr sogar: Obwohl vier Songs zweifach remixed enthalten sind, ist das Resultat abwechslungsreicher und raffinierter als das Original. Und das, obwohl die meisten Remixe wesentliche Teile der Originalsongs erhalten, also nicht blo&szlig Gesangsfragmente sampeln. Siehe etwa die beiden köstlich differenten Remixes von »Mutual Core« von Matthew Herbert und These New Puritans. Erfreulich in diesem Zusammenhang auch, dass nur ein Remix in die brachiale Dubstepfalle gegangen ist (»Current Value«). Gar nicht an die heimlichen Vorgaben gehalten hat sich Omar Souleyman, der »Crystalline« und »Thunderbolt« in fröhliche Bollywood-Groovetracks transformierte. Au&szligerdem vertreten: Hudson Mohawke, Death Grips, 16-bit, AluaNoto, The Slips. Wem Björks Stimme also nicht längst schon bei den Ohren raushängt, der gibt diesem Bastard eine Chance. Er kann mehr als seine Mutter.