Auf Wiedersehen, Lenin!

Im Mai kommen neue Filme von Wolfgang Becker, André Téchiné und Juan Jose Campanella in die Kinos. Nimmt man Burr Steers Film »Igby« aus, so darf man sich auf ein schönes Kinomonat freuen.

Loin – Weit Weg
Ursprünglich wollte Regisseur André Téchiné den Roman »Le Citron« von Mrabet verfilmen. Doch als er das heutige Tanger kennen lernte, wurde ihm bewusst, dass er den Stoff an die Gegenwart anpassen müsste. Schließlich entwickelte er eine völlig neue Geschichte. Nur der Schauplatz wurde beibehalten, und avancierte – als Brückenkopf zwischen verschiedenen Welten – zur eigentlichen Hauptfigur. Aus Kostengründen ließ sich der Regisseur darauf ein, »Weit weg« mit Digitalkamera zu drehen. Und das ist sehr gut gelungen.
Ab 16. Mai im Kino.
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Good Bye, Lenin!
Ebenfalls zu empfehlen ist Wolfgang Beckers Film »Good Bye, Lenin!«, in dem eine begeisterte DDR-Bürgerin die Wende im Koma verpasst. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus versucht die Familie der Rekonvaleszenten die hermetische DDR-Welt wenigstens in der kleinen Wohnung in Ost-Berlin aufrecht zu erhalten, was mit der Umstellung des Warenangebots, dem neuen Geld und den Neuerungen im Erscheinungsbild der Stadt immer schwieriger wird. Die Auflösung ist sehr nett und soll hier nicht verraten werden. Nur so viel: Jeder hat das Recht auf seinen eigenen Mauerfall! Netter Film zur Wende.
Ab 9. Mai im Kino.
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Der Sohn der Braut
»Der Sohn der Braut« des argentinischen Regisseurs Juan Jose Campanella war 2002 für den Oscar nominiert. Und das mehr als zu recht. Die Hauptfigur ist der 42-jährige Rafael Belvedere, der sich eigentlich nichts sehnlicher wünscht, als keine Probleme mehr zu haben. Aufbauend auf diese Figur werden die Geschichte und die anderen Charaktere entwickelt. Der Plot ist autobiographischer Natur: »Eines Tages«, sagt Campanella, »erzählte mein Vater mir, er wolle meine Mutter, die an Alzheimer leidet, kirchlich heiraten.« Die mit Schwierigkeiten verbundene Verwirklichung eines scheinbar einfachen Wunsches lieferte den Kernpunkt des Drehbuchs.
»Der Sohn der Braut« ist ein wunderschöner Film, der einen Blick auf die eigentlich wichtigen Dinge im Leben, sozusagen mit einem weinenden und einem lachenden Auge, wirft. Er stellt Fragen nach dem Sinn des Lebens und zeigt, dass wahre Liebe alle Grenzen überwinden kann; auch jene, welche die Gesellschaft aufstellen mag. Denn ohne Liebe ist Alles nichts.
Seit 25. April im Kino.
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Igby
Nicht zu empfehlen ist dagegen der US-Film »Igby«, in dem ein 18jähriger Junge zunächst von diversen Schulen fliegt und danach mit der Kreditkarte seiner Mutter nach New York durchbrennt. Auch wenn in der Presseinfo von J.D. Salinger die Rede ist, mit dessen Figur Holden Caulfield die Hauptfigur Igby verglichen wird: Das ziellose Drehbuch – von Regisseur Burr Steers selbst verfasst – rechtfertigt solche Vergleiche nicht im geringsten. Steers Figuren bleiben blass und sind zu unklar gezeichnet, als dass sie den Seher in die uninteressante Geschichte ziehen könnten.
Wenn ein Film in New York spielt, ist meist Woody Allen nicht weit, in diesem Fall hätte auch der diesen Film nicht gerettet. Die schlechtere Variante bezüglich New York hat einen anderen Namen: Culkin. Kieran Culkin ist in der Hauptrolle zu sehen. Nicht dessen Bruder Kevin bleibt allein zu Hause, sondern der Film selbst lässt den Seher allein, allerdings im Regen stehen.
Formal missfällt, dass die Filmmusik zuweilen viel zu laut aufgetragen wird, wenngleich der Soundtrack noch auf der positiven Seite zu verbuchen ist. Fazit: Abzulehnen!
Ab 1. Mai im Kino.
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