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Den Schmäh mit den ganz witzigen Tracktiteln (»un«, »deux«, »trois« ?? bis »vingt-trois«) lassen wir jetzt mal weg, das hat der altgediente Pariser Experimentalist Ghédalia Tazartès mit den türkischen Wurzeln nicht verdient. Ganze neun Longplayer in 31 Jahren, das könnte man auch als Bekenntnis zur Eloquenz deuten. Darf man aber in diesem Fall nicht mit Fokussiertheit verwechseln. Was sich auf »Ante-Mortem« bereits nach wenigen Minuten abgespielt hat, lässt sich wirklich kaum in knappen Worten einfangen. Ein Feuerwerk an musikalischen Einfällen jedenfalls, das von musique concréte über absurd überdrehte Folkore bis hin zu seifenoperartigen Vokaldramoletten reicht. Ebenso enervierend wie überraschend, ebenso witzig wie meist abrupt endend. Mitunter singt er sogar solo, sehr charmant, sehr ironisch, mit französischem Akzent: »Fuck you, baby, tonight ??«. Was ist das hier? »His music has always been a mystery«, verrät uns der Pressetext. Um diesen Schleier zu lüften, müsste man ausholen, nämlich ernsthaft. Muss aber nicht sein. »Ante-Mortem« ist wie ein Besuch in einem Vergnügungspark der Avantgarde, mit vagen, traditionalistischen (türkisch, französisch, everywhere ??) Anklängen. Ebenso durchgeknallt wie hörenswert. Ein rüdes Meisterstück. Ein Irrwitz namens Musik. Und ja, E-Gitarren würgt er auch wie Sau ??

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