L/O/N/G

»American Primitive«

Glitterhouse

Der Name dieses Albums von Walkabout Chris Eckman und dem Elektrolurch Rupert Huber von Tosca ist eine ironische Anspielung auf den langen Prozess, welcher der Produktion von »American Primitive« (AP) vorausgegangen ist. Vor acht Jahren traf man sich zufällig auf einer Almhütte, 2005 kam es zur ersten gemeinsamen Aufnahme – Eckman übernahm den Gesang bei »John Lee Huber«, einem Tosca-Stück. Seitdem schickten sich die beiden einander Soundfiles zu, die erst jetzt als »AP« veröffentlicht werden. Und das ausgedehnte Tüfteln bzw. die Reifephase haben der Platte gut getan: Das elektronische und kompositorische Know-how von Huber verbindet sich mit Eckmans (öfter verfremdetem) Gesang auf bekömmliche Weise, dabei treffen mit dem Folkrock-Background Eckmans und der Elektronik Marke »Sophisticated« des Tosca-Mannes zwei musikalische Welten aufeinander, die vordergründig nicht einfach organisch zu verbinden sind. Erleichtert wurde die Symbiose dadurch, dass der Schuster in dem Fall nicht bei seinen Leisten blieb, sondern beide beides machten. Im Ergebnis schlägt das Pendel mal stärker in Richtung Huber, dann mehr in Richtung Eckman aus. Mit gro&szliger Luftigkeit tanzen Klavier/Keybords, Stimmen (auch weibliche), entspannte Beats, Electronics und Gitarre einem imaginären Sonnenuntergang am Rande der Gro&szligstadt entgegen. Der stimmlich versierte Eckmann klingt im Sprechteil des meditativen »Wrong Train Comin’« wie Leonord Cohen, der Backgroundchöre übrigens auch sehr schätzt. Für die Club-Turntables eignet sich das schlichte, aber eingängige, eher rocklastige Titelstück mit seinem Echo-Refrain am besten. Gesamt ergibt das eine wunderbare Urban-Electro-Folk-Platte, die sich bei mir für den Einstieg in den Tag bewährt hat.