Xiu Xiu

»Always«

Bella Union

Kabinenparty im Taxi zum Klo. Mit zehn Platten in zehn Jahren sind Xiu Xiu zur Chef-Persönlichkeit des Weltschmerz-Pop gewachsen. Wie schon der Vorgänger mit dem lauschigen Titel »Dear God, I Hate Myself« sind die von Teenage Angst durchsetzt gegreinten Synth-Pop-Gassenhauer von fett tanzbarer Königsklasse. Nur die Tendenz zur Selbstverstümmelung in Texten und psychopathologischer Weltwahrnehmung betreibt Band-Köpfchen Jamie Stewart mit einer nie zuvor gesehenen Konsequenz. Man schmeckt förmlich, wie sich Herr Jamie, die extrem glücklich gewählte neue Song-Partnerin Angela Seo und Producer Greg Sanier in Musik-Pausen daheim in San Jose, Kalifornien, zu Filmen von Lars von Trier und Lukas Moodyson die Unterarme schlitzen und wechselseitig drauf onanieren. Und doch: Xiu Xiu beerben den Thron von Soft Cell. Nur dass der selbstzerstörerische Ennui nicht wie von Marc Almond vor dem Spiegel mit Koks und Kajal weggeschnupft wird, die Show muss weiter gehen, Sie wissen schon, sondern sich in eine selbst genügsame Wolldecke aus Blut, Träumen und Ejakulat einspinnt. Ein grandioses Stück Musik. Nur Sorgen muss man sich schon machen. Als nächstes eine Tribute-Platte an Erstickungs-Sex?