Various Artists

Algérie Mon Amour

Next Music

2003 ist in Frankreich das »Algerien-Jahr«, aber auch eine gute Gelegenheit, endlich ursprünglichen Raï zu hören, da wegen dieser Feierlichkeiten viele CDs auf den Markt geworfen werde. Einige sind schlecht, andere wieder echt, und das meiste wird aus diversen Gründen ohnehin mehr schlecht als recht vertrieben (die guten Aufnahmen habe ich in erster Linie bei Extraplatte gefunden. Und Raï zu suchen ist ein bisschen wie bei Virgin nach Turbo-Folk zu stöbern…). Raï ist eine Form des Blues, wenn man so sagen will, mit oft sehr poetischen Texten über die Liebe, das Leben, die Politik und die Freiheit der Menschen. Und selbst von den drei oder vier Chebs, die Sie vielleicht einmal gehört haben, schaffen es nur die World-Pop-Produktionen bis zu uns. Der echte Raï ist viel härter und rauher, sowohl vom Sound her als auch von der Thematik. So gesehen ist die umfangreiche Doppel-CD »Algérie Mon Amour« ein wirklich guter Einstieg, weil sie Ihnen einen Mix aus Stars (Cheb Khaled, Cheb Hasni, Djura, Cheikha Rimitti, …) und weniger bekannten oder noch sehr jungen Stimmen bietet. Es wird auch langsam Zeit, sich mit dieser Musik auseinanderzusetzen. In Rai nur ein Genre zu sehen, wäre zu kurz gegriffen, ist er doch ein Stil, der Einflüssen von allen Seiten offensteht (von DJs bis zu Latin oder traditionellen Instrumenten). Rai ist Realität, eine Möglichkeit zu sagen, was gesagt werden muss, eine Einladung zu einem ausgelassenen Fest, auch wenn die Stimmung gedrückt ist. Was diese Compilation vor allem so aufregend macht, sind die vielen selten zu hörenden KünstlerInnen (Sahraoui, Kouider Ben Said, Nouri Koufi, Cheb Adel, …) und das breite stilistische Spektrum (das auch einen langen Zeitraum abdeckt) – all das auf einem schönen Tonträger, welcher auch wirklich erhältlich ist. Es gibt in der Welt musikalisch noch so viel zu entdecken! Aber sollte »World Music« nicht so verstanden werden?