Alex Miksch

»Nur a Opfe«

Preiser Records

Auf nur wenige österreichische Singer/Songwriter trifft die Zuschreibung »Musicians’ Musician« so gut zu wie auf den gebürtigen Kremser Alex Miksch. In der Szene schon lange bekannt und geschätzt, ist sein Bekanntheitsgrad darüber hinaus noch immer gering, was auch daran liegen mag, dass Miksch alles andere als ein begnadeter Promoter seiner selbst ist und lieber konsequent sein Ding durchzieht, solange genug Knete zum Überleben bleibt. Für sein sechstes Album »Nur a Opfe« hat Miksch, diese markante Mischung aus Waldschratt und Hobo, sich wieder eine ausgezeichnete Band zusammengestoppelt: Als Gesangspartnerin fungiert die wunderbare Anna Anderluh, die zweite Gitarre und mehr bedient der begnadete Instrumentalist (und Sänger) Orges Toçe, von dem schon Wilfried sinngemäß gesagt hat, er habe ihm ganz neue musikalische Welten erschlossen. Der aus diversen Formationen bekannte Christian Eberle-Marquez liefert Zackiges von der Batteria, Philipp Moosbrugger bedient den Bass und über den einzigartigen Otto Lechner braucht man sowieso keine Worte mehr zu verlieren. Miksch selbst gibt den Meister an der räudigen Gitarre. Nach wie vor knietief im Blues verhaftet (allerdings mehr als Lebensauffassung denn als kompositorische Vorgabe), gelingt es Miksch mit seiner zerschossenen Stimme, der man einen eventuell nicht immer ganz gesunden Lebenswandel durchaus anhört, zu begeistern. Etwa mit der Textzeile »I hob an Beidl volla Fleh« (Miksch ist auch ein beeindruckender Dialektlyriker!) im ersten Song »Wer zum Teife«, der sogleich an die jüngste Aufregung im österreichischen Parlament erinnert. Spätestens bei der ergreifenden Ballade »Nosse Schuach«, einer Ode an die Liebe, und dem folgenden Titelsong mit seiner raffinierten Melodie (beides Duette mit Anna Anderluh), bei dem die »Wöd nur a Opfe« ist, »der leise durch den Wödraum schleicht«, wird klar, dass Miksch mit diesem Album vorerst am Zenit seines Schaffens angekommen ist. So stimmig und ohne den geringsten Verdacht, dass der eine oder andere Song Füllmaterial sein könnte, hat man das bei Miksch noch nicht gehört. Wer Otto Lechner mit unpackbarer Untertonstimme, die ähnlich einer Maultrommel klingt, singen hören möchte, hat dazu bei »Ned so dreckig« die seltene Gelegenheit. Ein Stück mit verbürgtem realem Hintergrund ist »Des Haus«, welches auf Gänsehaut machende Weise die Geschichte eines Hauses erzählt, das Miksch und seine Schwester geerbt haben. Das Haus war emotional zu stark belastet (»In dem Haus do liegd a Kind begroben«), als dass sie es hätten behalten wollen. Wer in Mikschs Opus einen richtigen Gute-Laune-Song bisher vermisst hat, findet einen solchen mit dem live eh schon länger gespielten »Baby Banane«, einem catchy Popsong, der im Obstsalatmilieu spielt, und einem*einer ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Aber es wäre nicht Alex Miksch, würde er nicht so ein Stück Unbeschwertheit mit dem real spooky abgründig tönenden »Ohne Bier« konterkarieren. Absolutely straight on geht es in die Zielgerade mit »Unbestechlich«, bei dem Miksch regelrecht beseelt »So unbestechlich is mei Heaz« bei offenem Fenster in die dunkle Nacht hinausschreit. Man möchte ihm jedes Wort glauben. Unbedingt!