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Sohrab ist das Künstleralias von Sohrab Karimi Asli aus Teheran, 1984 geboren, dessen Debüt »A Hidden Place« auf einem der angesagtesten Labels der Experimentalelektronik erschienen ist. Sohrabs Londonkonzert letztes Jahr war das erste überhaupt, das er nach dem Verbot seiner Punkband in seiner Heimat vor ein paar Jahren spielen konnte. Bei »A Hidden Place« wird dunkel grollender Ambient zu einem akustischen Signet für Fremdartigkeit, die Stille gerinnt zu einer, die in den Ohren dröhnt. Eine melancholische Stimmung breitet sich aus, eine, die um Klangcharakteristiken der ersten Welt ebenso wei&szlig wie um persische. Mit Equipment ausgerüstet, das vielleicht in London Standardware ist, im Iran indes wohl mindestens Mangelware, kreiert Sohrab fragile Soundscapes voll opaker Schönheit, in die sich lautmalerischer Sprechgesang und Fieldrecordings mischen, die dem Vernehmen nach verdeckt aufgenommen wurden. Eine Isolation, die schmerzt, aber immer auch einen Funken der Hoffnung in sich birgt. Diese Platte könnte ohne weiteres von Biosphere, John Waterman oder, in manchen Abschnitten, von Fennesz stammen. Jenseits sämtlicher lokaler Musiktraditionen operierend, hat sich dieser blutjunge Musiker einen Klangkosmos erarbeitet, der reifer klingt als mitteleuropäisches Normalma&szlig und bei dem man sich ständig fragt, wo Sohrab nur all sein Wissen um derartige Ambienttaktiken herhat. »A Hidden Place« ist eine herausragende Platte und umso mehr, wenn man um die Entstehung wei&szlig. Der Ambienttipp der Saison.

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Text
Heinrich Deisl

Veröffentlichung
19.05.2011

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