Mit »Mystic Theatre« kommen sie dem perfekten zarten Wüstengroove wieder ein wesentliches Stück näher und nach den eher zerfransten Anfängen haben die Creekdippers mit Victoria am Banjo nun ein Format gefunden in dem die Stärken beider Partner gebündelt werden. Absolute Höhepunkte sind Olsons »Standing In The Sun All Day« und Victorias »Betsy Dupree«, die das Zeug dazu haben wirkliche Standards zu werden. Was gibt es Schöneres, als wenn liebgewordene Menschen tolle Musik machen. Das gilt auch für RON SEXSMITH, der mit »Retriever« (V2/Edel) wieder einmal beweist, dass er keine schlechten Songs schreiben kann. Hier arbeitet er wieder mit Martin Terefe am Produzentenpult zusammen, der dafür sorgt, dass nicht nur der klassisch verwaschene Sexsmith-Sound verwendet wird, sondern sogar ein absolut brillanter Ausfallschritt in Richtung Phillysound dabei ist. Bei allen traurigen Themen: Niemand ist so wunderschön zärtlich optimistisch wie dieser liebenswerte 40-jährige Wuschelkopf, der noch immer wie ein 20-jähriger Milchbub aussieht. Wesentlich jünger als Sexsmith ist RUFUS WAINWRIGHT, dessen Vision von großen Song eine wesentlich andere ist. »Want One« (Dreamworks/Universal) ist zwar schon etwas abgelegen, aber trotzdem bemerkenswert. Wainwrights Vision geht in Richtung Burt Bacharach und es ist nicht zu verhehlen, dass er sich auch in der klassischen Musik auskennt. Bläser und Breitwandarrangements dominieren, aber der Zweck dem alles untergeordnet wir ist noch immer der Song und auch wenn diese sich nicht in gewohnte Strukturen pressen lassen, spürt man doch die Kraft eines Ausnahmekünstlers. Kraftloser geht es bei LUCKY JIM und »Our Troubles End Tonight« (Skint/Sony) zu. Diesem Duo aus Brighton passieren die Fehler, die vielen Erstlingen eigen sind. Ideen werden enfach ausgewalzt bis auch der gutwillige Hörer der Langeweile nicht mehr entgehen kann und der nachgestellte Sixties-Sound vermittelt eher sympathische Hilflosigkeit, als den Glauben an die Kreativität und das Potential dieser wackeren Kämpfer. Aber vielleicht war es ja auch der Produzent, der wie immer alles falsch gemacht hat. PAUL JAMES BERRY hat sich in seinen Solojahren zum reisenden Singer/Songwriter entwickelt und steckt gerade in seiner frankophilen Phase. »Nations« (Supermusic/Universal) beginnt gleich mit der »Ballad of Serge Gainsbarre« und selten hat jemand seit dem Dahinscheiden des Hauptdarstellers so herzlich und begehrend »I Wanna Fuck Her« in ein Mikrofon gehaucht. Die nachfolgenden Songs fallen kaum ab und so kann man auf die angekündigte Tour im Oktober nur neugierig sein. Sicher nicht neugierig sind die SONS OF JIM WAYNE. Denn das Leben für Cowboys, auch wenn sie aus Deutschland kommen, ist hart genug und neue Sachen bedeuten neue Probleme. Die beiden Söhne dienten lange Zeit in Bands wie Ferryboat Bill und beackern nun als akustisches Duo mit Hang zu Countryelementen die einschlägigen Veranstaltungslokale. Auf »Best Way Up Is A Smile« zeigen sie die Kompetenz die man von Schlachtrössern erwartet. Es wird viel geweint, aber zum Auffangen der Tränen steht ja Gottseidank das Bierglas da.
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