Appleton & Treu

Wunderbra!

Crippled Dick Hot Wax

Kehrtwende, Marsch Marsch! Crippled Dick Hot Wax! hat als Labelstätte schon so manche Mutation durch die Stilsippschaften durchgemacht – bei weitgehend hohem Niveau. Nach Noiserockexzessen und Beatsleaze-Soundtrackseligkeit war man zuletzt beim eklektischen Wiederentdecken europider Jazztravaganza angelangt – eine Mission, die mittlerweile durch eine Reissue-Flut des ursprünglich anvisierten MPS-Katalogs nichtig gemacht wurde. In Folge gibt’s Flucht nach vorne, einerseits durch die Teilkonvertierung zum DVD-Label (mit solchen Schätzen wie »Signor Rossi«, »La Linea« und der Jodorowsky Collection), andererseits im Entdecken neuer Bandschätze zwischen den Stühlen von Lounge, Jazz und Bottom rockenden Pop. Da sind freilich die Anubian Lights der Meisteract, doch mit dem süffig famosen Berliner Duo Transporter, das auf Zweitwerk »Glaze« ganz Compost in Sachen cool jazzender Lifestyleseligkeit einstampft, oder dem umwerfend riffschwer Richtung Brazil Big Beat beintreibenden »City of God«-Remixalbum setzt man die notwendig groovegeilen Fortschritte. »Wunderbra« ist als das vergleichsweise schwächstes Release auch kein Klunker und gerade wegen der Ingredienzien interessant: Der deutsche Indietronica-Held Künstler Treu (sonst auf Eleganz) dampfte gen Dartmouth, um den US-Veteran in Sachen Kunschtakustik, Jon Appleton, aus dem Pensionssumpf zu stampern, seines Zeichens Co-Erfinder des Synclaviers, DER Penetrationsmaschine der Achtziger. Und das geliert auf einer vollmundigen Popsongbasis, die zerrissen zwischen Ambitionsulk, Soundgenie und AfterDinner-Freundlichkeit, in jedem Moment mittapsen lässt, nur halt nicht lange in Memory Lane kleben bleibt. But that’s how Easy goes down on you!