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Worldwide Electronica

»The Seahorse Limbo« (www.intr-version.com) verheißt wunderlich Tönendes aus Kanada. aMUTE aka Jérome Deuson spielt eine spröde-brüchig wirkende Gitarre, die hinter einem Distortionnebel verborgen scheint. Ungeheure Spannung baut sich auf, weil alles in den Hintergrund gemischt wirkt (cello, dr, voc). Eine Spannung aber, in der sich die flirrenden Instrumente zu einem abgehobenen Ganzen aufschwingen, samt Glitches, die sanft eingefrickelt wurden. Ähnlich gelagert, eine Soundcollage, voll wundersamer Sounds und perkussiver Rhythmen: FLOURESCENT GREY produziert auf »Lying On The Floor Mingling With God In A Tijuana Motel Room Next Door To A Veterinary Supply Store« (www.isolaterecords.com) einen Spannungsbogen, der kleine Überraschungen wie Motorgeräusche von startenden Spielzeugautos bereit hält und auch Phasen mit schnellen Drumloops kredenzt. Isolate ist ja immerhin das Label, das auch den ersten Release von Venetian Snares verantwortet.
Dem Ausloten von Klang gibt die »Audio Art Compilation 03« (Gruenrekorder) Raum. »NachtLKW« von Stefan Funck etwa hat ein böses Bassfrequenzwummern, während »Benares« von Budhaditya Chattopadhyay ein stimmiges Field Recording aus der indischen Pilgerstadt am Ganges ist. Music For One trägt ein wahres Juwel mit postrockigen Gitarren bei, oder Bela Emerson wundersame repetitive Geigenloopverschränkungen. Eine Vogelstimmencollage von Suspicious Breeds Confidence und ein originelles Mopedsample von Klippenkeks sind weitere Glanzpunkte aus der spannenden Compilation. »Evocation of Seth« (www.triage-industries.de) von PIPELINE ALPHA ist hingegen irgendwie furchterregend. Dunkler Arkadenhof am CD-Cover, »Sutah 45 der Zerstörer« hilft dir, jegliche Hoffnung zu begraben, gelitten wird und Wunden werden aufgefrischt statt verheilt. Und doch ist es ein »freudiges« Untergehen in psychedlisch-rituellen Drones. Analoge Effektmaschinen und alte Synths zwirbeln einen Lo-Fi-Sound, der ziemlich abgehoben daherkommt. Pipeline Alpha aka The Mighty Alpha-Whale, auch Filmemacher und Poet, ist somit ein halbwegs verstörendes Werk gelungen. JASPER TX legt anfangs eine einsame elegische Gitarre über unruhig elektroakustisches Flirren. Ein Hauch Postrock mag noch drin liegen in den zeitlos schönen, sich schwermütig ausbreitenden Gitarrenspuren. Am besten ist der Schwede Dag Rosenquist aber, wenn er hypnotische Drones hinzugesellt, und sich somit sein Debüt den Namen »A Darkness« (www.lidar-productions.net) verdient.

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Text
Alfred Pranzl

Veröffentlichung
19.09.2007

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