Wolf Müller & Niklas Wandt

»Instrumentalmusik von der Mitte der World«

growing bin records

Mit »The Sound of Glades« (International Feel, 2016), einer Kollaboration mit dem Osnabrücker Cass., legte Wolf Müller eine Platte vor, die zwischen Tribal Ambient à la Dead Can Dance, dem oftmals fast debilen City-Pop Japans der 1980er-Jahre und Kinderspaß am Esstisch wie eine Feldaufnahme aus einem Versuchslabor klingt, bei der sämtliche Alltagsgegenstände (Lineal, Glas, Triangel) auf ihre Musiktauglichkeit getestet werden. Doch nie wirkt es wahllos zusammengeschustert. Alles geht auf in einem organischen Ganzen äußerst unterhaltsamer und verträumter Elektronikklänge. Schön komponiert. Wer es noch nicht kennt, darf es zum Aufwärmen zwei- bis dreimal rotieren lassen.

»Instrumentalmusik von der Mitte der World«, für das Wolf Müller sich den artverwandten Niklas Wandt aus Berlin hinzugeholt hat, geht in eine ähnliche Richtung. Der Blick aufs Cover der Platte zeigt zwei Herren (Mutmaßung: mitteleuropäischen Hintergrunds) in einem Park vor einem Sammelsurium an Ethno-Instrumenten aus Holz und Haut. Und was sie darauf klappern, ist eine Perle der kulturellen Appropriation. Geschulte ZuhörerInnen erinnern sich vielleicht an die Saarbrücker Datashock. Müller und Wandt sind jedoch weniger Acid-Hippies als Musikstudenten, welche die Möglichkeiten der Verschmelzung von Klangschalen und moderner Elektronik weitertreiben und dabei nicht so lagerfeueresque klingen wie zuvor Genannte, sondern mehr die House-Richtung einschlagen und ein Set hinlegen. Man kann also dazu tanzen.

Sogar Sven Väth hat sich bereits dazu geäußert: »Welcome to paradise together. Wir sind hier zusammen.« Gelogen. Es ist von den Künstlern selbst, Teil einer Reihe eingesprochener Pseudo-Weisheiten. In ironisierender Weise wird hier auf die vorliegende Musik referiert: Man ist sich der Gefahr bewusst, mit diesem Instrumentarium kitschig oder »irgendwie verkehrt« zu klingen, doch weit gefehlt. Es ertönt World-Musik, die tatsächlich aus der vermeintlichen »Mitte der World«, Berlin kommt. Tropisch, meditativ, trancig, lustig und äußerst musikalisch. Eine Oase in der Betonwüste. »Fühlt sich einfach geil an«.

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