Dust Covered Carpet

»Witness Me Pass Out«

Beat Is Murder

Bereits »A Cloud, Pushed And Squeezed« von 2010 war ein überzeugendes Album, mit »Witness Pass Me Out« gelingt der Band um Mastermind Volker Buchgraber eine weitere Verfeinerung. Wieder hat sich Dust Covered Carpet (DCC) für die Aufnahme der neuen Songs kaserniert (diesmal in Ungarn), und diese konzentrierte Arbeitsweise dürfte vorzüglich funktionieren. Man hat zwar personell auf ein Sextett aufgestockt, damit aber ein verschlanktes Klangbild gemalt. Die selbstzerfleischenden Texte Buchgrabers finden sich nun in einem exakt auf den Punkt gebrachten Chamber-Pop wieder, der das raffinierte Songwriting transparenter macht. Mit oft kippender Stimme arbeitet sich Buchgraber mit gro&szliger Dringlichkeit durch die zehn melodiösen Songs, die biografischen Exorzismus betreiben. Nein, die Stimmung ist nicht gut im Haus mit den staubigen Teppichen, und das wird auch in furchtloser Manier ausgesprochen: Angst, Panik, Verzweiflung und Scham kommen schnörkellos zur Sprache, und der Hörer kann froh darüber sein, dass das Hören trauriger Musik oft den paradoxen Effekt gesteigerten Wohlbefindens hat. Im versöhnlich stimmenden »I Find Rest« kommt dann auch eine zur Selbstmaltretierung neigende Persönlichkeit wie Buchgraber kurz zur Ruhe. Das sei ihm gegönnt, und es ist ihm zu wünschen, dass der künstlerische Ausdruck auch ein wenig Linderung seines Seelenschmerzes verschaffen kann, ohne seine Kreativität zu verschütten. Das Ensemble an seiner Seite unterstützt ihn dabei jedenfalls mit wummerndem Bass, zarten Streichern, Hingabe und Könnerschaft. Schaden würde es für zukünftige Produktionen auch nicht, die Querflöte mal für längere Zeit zur Reinigung und Feinjustierung zu geben. Sounds like Arcade Fire oder Bright Eyes war im Zusammenhang mit Dust Covered Carpet öfter zu lesen und zu hören. Aus dem Schatten dieser Referenzbands ist DCC spätestens mit diesem Album getreten.