Le Charmant Rouge

Winzer

Karate Joe

Nicht selten sind Musiker bei der Unterscheidung der beiden Begriffe »zitieren« und »kopieren« etwas schlampig und schöpfen so weit mehr als bloße Inspiration aus dem Schaffen ihrer Vorbilder, um schließlich und endlich eher zu Plagiaten denn zu Erneuerern geschätzter Traditionen zu werden. Der Band Le Charmant Rouge jedenfalls gelingt es, gerade noch elegant – wenn auch haarscharf – um die Kurve zu driften und ihre musikalischen Idole im gebührenden Licht erscheinen zu lassen, ohne das eigene kreative Potential in die Ecke zu drängen.
Die Band -heute bestehend aus den drei Köpfen hinter dem jungen Wiener Label Karate Joe- wurde schon vor mehreren Jahren in Eisenstadt gegründet und veröffentlicht nun nach anfänglichen Noise-Attacken, einiger Zeit auf Eis und geringen personellen Veränderungen mit »Winzer« ein relativ straightes Instrumentalrockalbum(mit Ausnahme von Stück 1 keine Vocals), das sich eindeutig aus dem Krautgarten der Musikgeschichte speist und den omnipräsenten Helden von Neu! huldigt. Danach werden einige Jahre geskippt, die Reise führt weiter in die Recyclingmaschinerie Chicago, wo sehr laute Trans Am auf etwas leisere Tortoise treffen. Die Versatzstücke werden aufgebrochen, umgedeutet, neu zusammengesetzt und mit anderen Funktionen belegt. Die Band hat eine gerade Straße mit Schlaglöchern versehen und Fallstricke gespannt. Wenn Stücke in der Monotonie des konstanten Beats versumpfen zu drohen, kommen geradezu verboten poppige Bläsersätze um die Ecke, um schließlich in jazzige Gefilde abzudriften.
Am Ende bleiben zarte Gitarrenklänge und Atmosphäre, sowie eine – nicht nur für österreichische Verhältnisse – bemerkenswerte Platte, wenngleich die Heldenverehrung bisweilen eine Spur zu weit getrieben wird.