Andrea Schroeder

»Where The Wild Oceans End«

Glitterhouse

Andrea Schroeder erscheint, nicht nur des Songs »Helden« wegen, auf ihrem zweiten Album als eine Figur, die just aus dem Westberlin Bowies herübergeweht kam und irgendwo zwischen Nick Cave und Hildegard Knef ihren Platz gefunden hat; eine aufgeräumte, aber noch immer bedrohliche Nico mit aufgeräumten, aber noch immer stockdunklen Velvet Underground im Rücken, kühl und intensiv. War das Debüt »Blackbird« bisweilen etwas aufgesetzt friedhofsglöckchengebimmelpathetisch (eine Marotte, die sie mit allen oben Genannten durchaus gemein hat), ist die Schwärze des Schroederschen Americana-Chansons auf »Where the Wild Oceans End« eine sehr totale. Hier ist kein campy Gothic-Kitsch, auch wenn es bisweilen ganz erholsam wäre; es ist, als atmete die klare, klangsatte Produktion dunkle Schatten, ach was, als ergösse sie das titelgebende nachtschwarze Meer, das dann doch wieder bloß die fressende, fremdvertraute, großartige Großstadt ist, über das Publikum, so sehr ist diese Musik körperlich vereinnahmend. Und bei aller magischen Brillanz der Arrangements, des Songwritings, ist es vor allem diese zugleich kraftvolle wie jenseitige Stimme, die hier magnetisch wirkt. Eine Wahnsinnsplatte, in jedem Wortsinn.