Solomun

»Watergate 11«

Watergate

Ganz klassisch mit einer Radiocollage eröffnet der Kroate Solomun seinen Beitrag für die Compilationreihe des Berliner Watergate-Labels. Ein kurzer Fetzen Musik, dann Rauschen, wieder ein wenig Gejauchze, indifferentes Gelärme, bis nach abermaligem Hin und Her der Sender richtig eingestellt ist. Es kann losgehen. Die musikalischen Fetzen waren so kurz, dass wir eigentlich schon vergessen haben, was wir da hörten, und doch klingt es angenehm im inneren Ohr nach. Das ist doch mal ein Statement, möchte man meinen, gibt die kurze Intro-Collage im besten Falle gleich einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns da in der nächsten Stunde um die Ohren schlackern wird. Der Mix indes ist im weitesten Sinne House, startet smooth und sauber, wird im weiteren Verlaufe aber immer dreckiger und rougher. Die meisten der Tracks stammen erstaunlicherweise aus den späten Neunzigern und frühen Nuller-Jahren. Mathew Johnson, die Dax Riders und sogar die gute alte Lucy Pearl liegen für uns auf den Tellern, mal im Edit oder Remix, mal im Original. Es ist erfreulich zu sehen, dass Solomun mit der Handschrift seines Mixes elegant daran erinnert, dass ein DJ durchaus auf Eingestaubtes zurückgreifen kann, wenn er aktuell klingen möchte. So lässt sich der Mix, der im ?brigen stets unterhalb der 110-BPM-Marke bleibt, auch als Plädoyer für etwas Entschleunigung im Musikgeschäft verstehen, als Gegenentwurf zum ewigen Imperativ nach Neuheit und Veränderung. Selten war dieser Hang zum Retro schöner als in der souligen Neuintepretation von Chaka Khans Gesang, den sie damals für De la Soul beigesteuert hatte und der nun, gesampelt und remixed, bei Casino Times? »That’s the Truth« den grandiosen Höhepunkt des Mixes darstellt. Irgendwie geht’s immer vorwärts, manchmal auch im Rückwärtsgang. That’s the truth.