Esben & The Witch

»Wash The Sins Not Only The Face«

Matador

Im Herbst 2010 veröffentlichte das talentierte Damenkränzchen Warpaint, das mittlerweile zu viel Wert auf sein Aussehen legt, mit »The Fool« ein bemerkenswertes Debüt inklusive dem Dauerbrenner »Undertow« und ebnete damit im Nachhinein auch den Weg für dieses verschrobene Trio, das auf den Namen eines Brüder Grimm- oder 1001 Nacht-Märchens inklusive Happy End und ein paar Toten hört.

Wo auf »Violet Cries« noch einigermaßen Fantasie nötig war, um darin Warpaint zu entdecken, beinhalten die neuen Songs sehr stark deren Charakter voller atmosphärischer »Soft-Noise-Indie-Rock«-Soundflächen, in denen fast ausschließlich die höher gestimmten Gitarrensaiten eine Rolle spielen und die nach Electronic klingen ohne Electronic zu sein. Gitarren als Nerd-Spielwiese, nicht als Status- oder Phallussymbol.

Stimmlich ähneln sich beide Projekte: stark-sanft, ruhig, melancholisch, hingabevoll darf es sein. Bei den Esbens kommen noch ein gebetsmühlenartig predigendes Element und eine wesentlich schwerere Verdaulichkeit hinzu. Warpaint sind viel mehr eine Rock-Band während sich Esben & The Witch genau dem verwehren. Es besteht ein Interesse an sprachlich höherstehender Lyrik, die undurchsichtig ist und für Interpretationen offen steht. Das gesungene Englisch klingt wie zu einer nordischen Sprache hin entstellt und lässt auf ein starkes Faible für Björk und Sigur Rós von Bandkopf Rachel Davies schließen. Jedenfalls zielt es daraufhin ab wie eine Kunstsprache zu klingen. Manchmal würde der Band aber ein bisschen mehr Explizitheit besser zu Gesicht stehen.

Die Performance ist kühl, apathisch und erfordert ein ausgesprochen aufmerksames Publikum. Die Sängerin leidet und leidet und es macht Spaß ihr dabei zuzusehen. Fast wirkt es als ob sich die Band vor dem Publikum verstecken möchte, um nicht aus ihrem Trott herausgezwungen zu werden. Ein hohes Maß an Geduld und Sensibilität ist gefordert um sich für dieses Projekt zu begeistern, sofern KünstlerInnen hier überhaupt so etwas wie Begeisterungsstürme beim Publikum erzeugen möchten. Der Exzess ist da, aber er ist strukturiert, geplant, Teil des Konzeptes. Der Freak wird herausgelassen, aber nicht um den Leuten Brot und Spiele zu bieten, sondern um der Selbstreinigung willen. Am besten hat man/frau beim Konzert einen Klappsessel dabei und liest brav Texte mit.

Eine Gothic-Komponente wird der Band angedichtet, wohl eher eine Beleidigung als eine sinnvolle Einordung. »Gruselig« sei die Musik, das war sie jedoch schon auf »Violet Cries« nicht und hier noch weniger. Wenn, dann mystisch und ein bisschen zu brav, um der bösen Hexe Feuer unter dem Hintern zu machen. Jack Black hat die Idee: »A little more Witch and a little less Esben«.

Der Noisezug entgleist nur einmal, auf »Despair«, sorgt damit für den stärksten Moment, für eine Befreiung. Mehr kommt dann aber auch nicht mehr. Ansonsten wird die Spur eisern gehalten – leider. Dadurch passiert kaum etwas Bemerkenswertes, es fehlt an musikalischen Ideen, am viel berüchtigten Plan B, der nur beim angesprochenen »Despair« zum Vorschein kommt. Plan A hätten wir soweit kapiert und uns daran irgendwann daran satt gehört.