Florian Fleischer Quintett

»Verzücken«

Neuklang Records

Gott, was für ein verzückender Junge. 24 knusprige Jahre alt und ein bisschen wie der junge Jochen Distelmeyer aussehend. Man möchte ihn knuddeln, ihn an sich drücken. Wenn man eine Tochter im richtigen Alter hätte, würde man sie auf eines seiner Konzerte mitnehmen, sie einander vorstellen, schlie&szliglich gibt es schlimmeres als einen Jazzgitarristen zum Sohn zu haben, viel schlimmeres. Nein, im Ernst, herrlich wäre das, die lauen Sommerabende auf der Veranda, die Tochter im beigefarbenen Chiffonkleid, durchleuchtend, sich im Kreis drehend. Und Jochen mit all seinen Freunden musizierend, auf nachbarnfreundlicher Zimmerlautstärke. Allesamt lieben sie es gemütlich, fein, wohlklingend. In Siebenmeilenstiefeln von Coleman Hawkins über Pat Metheny bis Joshua Redman und retour. Kein schroffes Eckchen ragt da hervor, kein Getöse, Gekrächze, Geschabe. Aber keine Sorge, auch kein billiges Wohlgefallen beizt uns da das Ohr zu. Florian und seine Mitstreiter wissen auch ein paar komplexere Schichten nach moderner kammerkonzertalischer Art einzuweben, die Drums (Etienne Nillesen) und das Piano (Philipp Rütgers) sind da besonders hervorzuheben. Kein Wunder also, dass die halbe Jazzfachwelt »Verzücken« verzückt Rosen streut – hier klingelt ein junges Talent eindrucksvoll an der Türe zum Mainstream bzw. Softstream. Wir aber, wir sitzen auf der Veranda, lassen die Tochter zurück mit den jazzy Boys aus New York und Berlin, schlie&szligen die Türe hinter uns zu, und schieben still und heimlich irgendeinen kratzbürstigen, rotzfrechen Noisebastard in den CD-Player. Ah ja, die Schönheit ist eben doch ein Privileg der Jugend.