Various Artists

»Sing Sang Song 2«

Trafo/Pumpkin Records/Hoanzl

Andreas R. Peternell war dem Autor dieser Zeilen als stets entgegenkommender Mitarbeiter der Presseabteilung des steirischen herbst bekannt. Und nun hat er mit seiner Plattform Trafo – developing arts & audiences bereits den zweiten Sampler mit Kinderliedern herausgebracht. Das erinnert mich an die wunderbare Edition, die Attwenger-Akkordeonist und Gstanzl-Sammler Hans Peter Falkners seiner Mutter, die Kindergärtnerin war, widmete. Die geklampften/gesungenen »63 Kinderlieder« (Fischrecords) von Pauline Falkner sind natürlich sehr am Original, aber um nichts weniger rührend. Der Ansatz bzw. Anspruch von Peternell jedoch ist ein anderer. Austriakische Popacts erinnern sich ihrer frühen Kindheit bzw. jener ihrer eigenen Kinder und interpretieren Kinderlieder, die meist Ecken und Kanten haben. Ein Glücksfall ist etwa »Tausend Jahre sind ein Tag« von Norbert Wally & Fabio Schurischuster. Udo Jürgens’ Song aus dem Album »Gestern – Heute – Morgen« (1980) wird in ein Kinderlied verwandelt, dessen Western-Soundscape à la Morricone ein kleines bisschen an Weltuntergang denken lässt. Darin stellt ein Kind gute Fragen wie »Was ist Zeit?« und ich komme nicht umhin, Jürgens’ leider scheinbar ewig gültige Strophen daraus zu zitieren: »Wie wird der Mensch zum Nimmersatt / Wer alles hat, kriegt noch Rabatt / Und woher kam die Gier nach Geld?« Western-stylish fingert auch Ernst Molden seine Gitarre auf »Rabumm«, einer räudigen Umdichtung des Gassenhauers für Laternenprozessionen von Kindergartenkindern im November. Auch Ultrascopes »Maikäfer flieg« trägt trotz prächtigem orchestralem Arrangement dunkle Botschaften. Miserablem Kinderdasein entfleuchen hingegen Lamila mit »Fliege mit mir fort«. In eine umsorgtere Kidworld, die sicher auch der Nachwuchs von Robert Rotifer hatte. Seine in England aufgewachsenen Kinder mochten am allerliebsten »Teddy Bears’ Picnic«, das der auch als Musikjournalist (FM4, B2) bekannte Musiker auf recht schlichte Weise intoniert. Sigrid Horns wundersame Verballhornung eines mexikanischen Kinderlieds ins Mostviertler Idiom hat fröhlicheren Schwung. »En el tren de Acapulco« wird zu »Zwischen Amstetten und Linz«, eine Bahnstrecke, die Mama oft pendelnd zurücklegte. Sehr reizvoll gerät auch Johnny Batards »Alaska«, ein stürmisch-drängender Song, der die Kälte des US-Bundesstaates toll rüberbringt. Und fast hätte ich vergessen, Kreisky zu erwähnen. »Haha« rumpelrockt lässig mit empowerndem, von Kids geshoutetem Refrain. Etwas zu brav geraten sind dagegen das Beatles-Cover »Octopus’s Garden« von Pippa und Hans sowie »Kommt ein Vogel geflogen« von Fräulein Astrid. Auch »Mama, I Don’t Wanna Be A Businessman« hat wenig Esprit, doch immerhin transportiert das Lied von Paul & Pets Aufbegehren gegen Elternwünsche. Versöhnen tut die geneigten Hörer*innen das getragene Einschlaflied »Biabele, Liabele«. Lisa Kaufmann lässt damit die 41 Minuten kurzweilige Compilation wunderschön ausklingen. Fazit: Sing Sang Song ist eigentlich ein Kinderliedalbum für Erwachsene, mit nicht wenigen reifen Momenten.