Francisco López

»Untitled #275«/»Untitled 2009«

Unsounds

Gleich zwei neue Releases sind vom spanischen Meister für mysteriöse Soundverwechslungen zu haben. López ist ja auch für seine langen Stücke bekannt; Die von Baskaru veröffentlichte Doppel-CD »Untitled 2009« kompiliert in zwei Stunden Dauer Miniaturen zwischen zwei und 20 Minuten, die bis ins Jahr 1996 zurückreichen. Darauf sind Extrakte aus Aufnahmen rund um den Globus vertreten, eine Kollaboration mit Phill Niblock und Fieldrecordings aus dem brasilianischen Regenwald sowie aus der namibischen Wüste. »Untitled 2009« macht eindrücklich die vielschichtigen akustischen Vexierspiele López‘ klar: Ein Sounduniversum, in dem nichts so ist wie es scheint, das zum Hinhören, Driften und Träumen zwingt. Sicherlich eine der konzisesten Einstiegsdrogen für die Erforschung der López’schen Klangstudien. Wem das nicht reicht: »Untitled #275«, auf Unsounds erschienen, bringt noch am ehesten jene Forschungsansätze zutage, die López mit »absoluter Musik« umschrieben hat. Es ist eine Annäherung an John Cage und an das präparierte Klavier. Die zusammen mit dem Pianisten Renier van Houdt eingespielte Platte basiert auf einer radikalen Dekonstruktion dieses Instruments mit den Möglichkeiten einer Multi-Channel-Soundanlage. Im zweiten Stück wird das erste dann einer Transformation unterzogen, sozusagen geremixt. In diesem halbstündigen Track entfaltet sich eine Tour de force ins Innere des Klaviers, die Restbestände jenseits der Töne werden zu Fieldrecordings über das Klavier. Schläft López auch irgendwann mal?