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Seien wir uns ehrlich: Platten mit Titeln wie diesem zwingen förmlich dazu, den Gutmenschen-Poser entweder raushängen zu lassen oder ihn zu verdreschen. Hier bezieht sich der Titel auf die Veranstaltungsreihe selbigen Namens im Haus der Kulturen der Welt, bei der es um wissenschaftliche, soziopolitische und künstlerische Annäherungen an den Klimawandel ging. Daraus entstand eine Musikserie von Berliner Exil-Musikern, die auf dieser Platte einen guten Einblick in globale Notwendigkeiten und lokale Ausprägungen geben. Wer Faserschmeichlerei erwartet, liegt komplett falsch, endlich traut sich wer, nicht auf Befindlichkeit zu machen: Gleich in der ersten Nummer dröhnt der Low-Fi-Punk’n’Roll von Jimmy Trash And The Gunpowder Temple of Heaven aus der Boxen, das September Collective gemahnt an eine beschauliche Messe, die sich gegen Ende zu einer Kaskade aus Feedbacks auswächst. Lord Calypso & The Kalypso Katz drehen lateinamerikanische Tanzmusik so lange durch den Kitsch-Reißwolf, bis am Ende als Referenz höchstens Gogol Bordello herauskommt. Dazu bestens passend die heimliche »Hit«-Nummer: Animal Cops drangsalieren Balkan Pop und Latino-Spirenzen mit triefendem Acid und mit dem Lied von Marco Brosolo ist auch ein ernsthafter Italo-Schmachtfetzen dabei. »Ûberlebenskunst« ist eine Scheibe, die Sie sich mit gutem Gewissen mit Freunden, Liebhabern oder Nerds anhören können, hier ist für jeden etwas dabei. Das ist Klimawandelagitation nicht mit Zeige-, sondern mit Stinkefinger. Der Erwerb dieser Scheibe wird dringend nahegelegt.

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