Hayvanlar Alemi

»Twisted Souvenirs«

Unrock

Hayvanlar Alemi sind ein Trio aus Ankara, das bereits auf eine Veröffentlichung beim ziemlich exklusiven Sublime Frequencies Label, welches ja bekanntlich Perlen aus aller nicht ganz so westlichen Welt unters Volk bringt, zurückblicken kann. Nun bringen sie ein weiteres Album auf Unrock heraus, dem deutschen Label, das seinerseits intensive Verbindungen nach Seattle und den dort ansässigen Brüdern Rick und Alan Bishop pflegt. Letzterer ist Mitbetreiber von Sublime Frequencies. Da schließen sich also Kreise, wenn man so will. Und die einleitenden Informationen kommen hier auch nicht von ungefähr oder als elitärer Bildungsspaziergang daher, sondern mit dem Hinweis verbunden, dass Hayvanlar Alemi geeignet sind, frischen Wind in die Ohren all derer zu blasen, die meinen, sie hätten schon alles gehört und daher eine genaue Vorstellung von dem, was Rockmusik denn sei. Es ist ja eher selten, dass Rock-Trios, die klassisch mit Gitarre, Bass und Schlagzeug hantieren, über einen ebenso klassischen Rock-Trio-Sound hinaus gelangen. Hayvanlar Alemi schaffen dies mühelos und über die Länge des gesamten Albums. Es gelingt ihnen vor allem deshalb so gut, weil ihre musikalischen Einflüsse quer zum schon angedeuteten Rock’n’Roll-Kanon liegen. Der Gitarren-Sound nimmt Anleihen bei Omar Khorshid; die instrumentalen Kompositionen sind inspiriert von äthiopischem Jazz, den sie mit Mulatu Astatkes »Yèkèrmo Sèw« frei interpretieren. Dieser unbefangene Umgang mit heterogenen Einflüssen erinnert an die Sun City Girls – allerdings sind Hayvanlar Alemi wahrscheinlich nicht ganz so durchgeknallt, wie das Rick und Alan Bishop zusammen mit dem 2007 verstorbenen Charles Gocher zu ihren wildesten Zeiten waren. Wenn sie also auch nicht jenseits von Gut und Böse agieren, so liefern Hayvanlar Alemi ihre exotische und unkonvetionelle Variante psychedelisch-angewehten Free-Rocks souverän ab. Ähnlichkeiten im Sound sind auch zu Rangda vorhanden oder dem Surf-Gitarristen Dick Dale und in brachialeren Momenten mag man sich gar an eine weniger von Selbsthass erfüllte und instrumentale Version von Jesus Lizard erinnert fühlen. Wie dem auch sei, und wer auch immer dafür Pate gestanden haben mag – am Ende klingen Hayvanlar Alemi stets wie Hayvanlar Alemi: tight but loose, präzise und frei. School Of Rock Note: 1 (mit Sternchen).