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Nicht nur das Merchandise-Zeitalter und der Überdruss an plakativer Popsongware haben in letzter Zeit den Soundtrack-Verkauf angeheizt. Auch die Hollywoodisierung des Alltags, etwa das Küchenspülen mit Morricone oder »Star Wars« zu unterlegen, und die auch abseits der DVD grassierende Reissue-Welle lassen zahllos Feines, fast vergessenes aus den Staubarchiven der Unterhaltungsgeschichte wieder entdecken. So kann man etwa die »Bandes Originales«-Reihe bei Universal mit Perlen von Georges Delerue, Michel Magne, Michel Legrand oder Francois de Roubaix oder die Italo-Darlings, die von Cinevox oder Dagored konstant auf den Markt gewürfelt werden, ausnahmslos empfehlen. Ein besonderes Schmuckstück allerdings hat sich Cam geleistet, indem es das Gesamtwerk Federico Fellinis auf Doppel-CD plus 64-Seiten-Booklet würdigt. Trunken tänzelnder Sehnsuchtsschwulst und bizarre orchestrale Kasperliaden von Nino Rota, Mario Nacimbene oder Luis Bacalov, die Film- wie Musikgeschichte geschrieben haben, in kongenialer Digest-Form. Sogar die Musikuntermalung seiner Kurzbeiträge für Portmanteau-Filme wie »Boccaccio 70« oder »Spirits of the Dead« sind enthalten. Da kann die zeitgleich erscheinende »FelliniJazz«-CD solcher Jazzgrößen wie Pieranunzi und Charlie Haden in aller Betulichkeit dünnpfeifen gehen. »Amarcord« – ich erinnere mich sehr, sehr gern!

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Text
Paul Poet

Veröffentlichung
03.06.2006

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