Christian Naujoks

»True Life/In Flames«

Dial

Nein, nein, nein! Weder Wim Mertens, noch Michael Nyman oder Arvo Pärt sind hier die geeigneten Referenzen. Viel eher sind wir beim kontemplativen Komponisten Hans Otte richtig, auch dort verliebt sich die Musik in ihren eigenen Klang, in ihren natürlichen Klang wohlgemerkt, wie Narziss vor dem Spiegel. Hier wie dort küsst die voluminöse Klangschönheit sich selbst und wiegt sich zugleich in einem minimalistischen Rock-a-Bye (wo wir dann klanglich bei Steve Reich, kompositorisch aber eher bei Wim Mertens wären). Dann singt der Musikurheber auch noch, ohne klassizistische Attitüde, sondern straight wie in einem dahinschmelzenden Popsong. Das verwirrt dann doch ein wenig, vor allem wenn man wei&szlig, dass »True Life/In Flames« im Grunde ein konzertantes Live-Album ist, eingespielt in sparsamer Instrumentierung (Klavier und Marimbas) in der Laeiszhalle der Philharmonie Hamburg. Und umso mehr, wenn man wei&szlig, dass Naujoks sich nicht als Komponist dieser Stücke bezeichnet, die tatsächlich mehr als einmal an die minimalistische Moll-Romantik eines Michael Nyman (»The Piano«) oder Yann Tiersen (»Amélie«) erinnern. Also doch? Also doch! »Intellektueller Kitsch!«, darf man da gut und gerne unken. Aber Hey, wer sagt denn, dass man in der modernen Musik nicht auch einmal weinen darf! Wenn die Musik gar so wohl gefällt?