Postindustrial Boys

»Trauma«

Max Ernst

Dieses postindustrielle Trauma auf seinem zweiten Album für Thomas Brinkmanns Label hat nichts mit vermeintlichen Kracheskapaden zu tun, vielmehr nimmt sich der Georgier Gogi Dzozuashvili in recht charmanter Weise den Schnipseln postindustrieller Musikproduktion an und erdet sie im POP. Die 20 Stücke umspannen jene Zeit, als Gogi vor acht Jahren in einem besetzten Studio in Tiflis seine ersten Tracks einspielte, später mit seiner Gruppe Goslab durch die Lande zog und heute als Solokünstler aufnimmt. Die verspielten Nummern lassen an eine Mischung aus Felix Kubin und Anton Nikkilä denken, mal kommen sie als recht verdrehter Easy-Listening-Sound, mal als Songpartikel daher. Ihnen allen ist der Hang zum Skizzehaften eigen, hinsichtlich Kopfkino-Qualitäten ist der Laton-Act Radius nicht allzu weit entfernt. »Post Industrial Trauma« ist so gesehen die Verarbeitung eines Traumas, das mit gefühlvoller Musik exorziert wird, zu dem sich mehr als sechs Vokalisten aus dem Goslab-Umfeld hinzugesellen. Mit dabei eine interessante Coverversion von Lou Reeds »Walk On The Wild Side«. Romantischer Anti-Muzak-Pop voll Crépuscule-Charme für Fans von Stereolab oder St. Etienne.