Florian Horwath

»Tonight«//»The Sound Of Sehnsucht«

Stereo Deluxe

Nach der Revolution ist vor der Revolution. Üsterreich war schon immer ein Land der Traditionspflege. Das macht keineswegs vorm Alternative Pop halt. Der steirisch-wienerische und mittlerweile weltberühmte Wave Electro-Schmacht’n?Shmoove von Bunny Lake, von bösen Geistern auch als Tussen-Tamagotchi-Pop denunziert, tut sich auch auf Platte Vier nicht leicht mit der Major-Wiedergeburt: Der Mainstream-Druck, das hektische Planungsgezeter von Sponsoren wie den Ford-Karren, die kurzatmigen Karrieredruckpläne setzen sich leider in unfertigen Halb-Songs und autoradio-spechtelnden Schmachtfetzen fest. Mehr Lady Gaga-Afterhour als 2012er Human League. Dafür konnte man sich Mute-Veteranen Gareth Jones als Producer leisten. Es fetzt nicht mehr die kokswütige Partykanonade, sondern schmachtäugigen Bourgeois Üko-Blues in Mezzo-Tanzbarkeit. Immerhin drei mal zieht man scharf und zündet: Beim ungewöhnlich mittappfähigen Neubauten-Cover vom Halber Mensch-Track »Sehnsucht« wie den Eigen-Hits »Follow the Sun« und »Satellite Sky«, nicht unzufällig Single-Auskoppelungen und zwei wohlfeile Musikvideos von Richard Wilhelmer und, ähem, moi. ?ber den Rest bitte gut geschmalztes Schweigen.
(»Michael Giebls Rezension über den auf Universal erschienenen Tonträger von Bunny Lake »The Sound Of Sehnsucht«)

Beim Handwerk zählt der Holzmeister: Und so gebiert sich der Innsbruck Boyee Florian Horwath ins Alte neu: Zweit-Solo-Longplayer »Tonight« ist prachtvollstes Lou Barlow-Derivat der Post-Freak Folk-Songwriterschule. Da hat der Tisch ungebrochen vier Beine und man liegt prächtig beim melancholischen Sterneschauen ohne Ansatzgefahr umzufallen. Damit: Eineinhalb mal rotwei&szligrot für die Ewigkeit ohne weh zu tun und ohne Türen aufzumachen. Genau das ist ja typisch österreichisch!