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Es ist exakt zehn Jahre her, dass Sergio Mendes seinen letzten Longplayer (»Oceano«) veröffentlicht hat. Selbst Leute (wie ich), die »Arara« (1989) und dann v.a. das Grammy-gekrönte »Brasileiro« mit dem jungen Carlinhos Brown (1992) schwer begeisterte, vergaßen Sergio Mendes in der Hektik der 90er Jahre. Nun ist er mit einem Paukenschlag zurück! Und das hat nicht bloß mit der keine Kosten und Mühen scheuenden Marketing-Offensive zu tun. Der Anstoß zum Album, so will es die medientaugliche Legende, kam von Black Eyed Pea Will.i.am; die Songs sind, soweit ich sie kenne, schon zuvor auf Alben des seit Mitte der 60er in den Staaten lebenden Maestro Mendes erschienen, zumindest aber ein älteres Sample befruchtet jeden neuen Song: wie auf »Loose Ends« (mit Justin Timberland), dem Mendes‘ einzige völlig eigenständige Komposition, der Spät-60er-Megaseller »So Many Stars«, zugrunde liegt. Von vorne: Das Album kickt mit »Mas Que Nada« kräftig an, jenem Song des genialen (damals freilich zu schwarzen) brasilianischen Musikers Jorge Ben, den Mendes Mitte der 60er (wie einige andere heutige Brasil-Standards) zum Welthit machte. Der Song mit Gassenhauer-Qualitäten bekommt hier mit Rapper Will.i.am und aufgefettet mit digitalen Percussions zusätzlichen Punch. Auch »The Heat«, wieder mit Will.i.am, zudem verstärkt durch Erykah Badu, und das Remake von »The Frog« mit Q-Tip, ein für meinen Geschmack etwas sperriger Track, haben einiges Crossover-Potenzial zur HipHop-Community, auf die das Projekt u.a. auch abzielt. Aber für Abwechslung ist durchaus gesorgt. Das brazil-bezogene »Berimbau/Consolacao« mit Stevie Wonder an der Harmonika und der Stimme von Mendes‘ Frau Gracinha Leporace gefällt ohne Schielen auf ein potenziell neues Publikum. Jill Scott macht gute Figur auf Baden Powells Bossa-swingendem, jazzig-hingehauchtem »Let Me« samt Will.i.ams Rap-Interpunktionen. Man muss hier kurz anmerken, dass Sergio Mendes – selbstverständlich – einen fantastischen Job an den Keyboards macht, wie auch seine teils altbewährten Mitspieler. Einer meiner Favorits ist übrigens der 70er-Samba-Rock-Hit »Bananeira« aus der Feder Gilberto Gils und Joao Donatos, der hier mit den Toasts von Mr. Vega alle Qualitäten eines tropischen Sommerhits bekommt. Wunderbar und souverän die beiden R&B- respektive Soul-Newcomer: Sowohl John Legend auf »Please Baby Don’t« als auch India.Arie auf dem Titelsong »Timeless« bestechen im Bossa-Metier so glatt, als wäre es ihr ureigenstes. Und so wie Mendes 1992 auf besagtem »Brasileiro« Carlinhos Brown ins Licht der Weltöffentlichkeit rückte, präsentiert er auch dieses Mal einen seiner favorisierten Newcomer: Marcelo D2. Sowohl auf »Samba da Bencao« als auch auf »Fo‘-Hop«, zusammen mit dem Komponisten und Gitarristen Guinga, zeigt er, wie man Samba oder Forro (ein nordöstlich-ländlicher Tanz) und HipHop in den Mix werfen und darauf abrappen kann. Sergio Mendes und Will.i.am haben wohl den nächsten Grammy im Auge – und der könnte durchaus auf so manche jüngere Karriere stimulierend wirken. Sergio Mendes live beim Jazz Fest Wien: 3. Juli, Wiener Staatsoper.

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