Shipping News

Three-Four

Quarterstick

Wir leben wie wir träumen – allein. Das Gang-Of-Four-Motto hing schon immer wie eine dogmatische Aura über den Nachtlokalen und Proberäumen von Chicago bis Louisville, zumindest in den Rock-Zirkeln gepflegter Depression. Statt sich wie die ähnliche (und vom Schiffsthema ebenso durchtränkte) Parallelband June Of 44 vor lauter Asozialität aufzulösen, zersetzen sich Shipping News kreativ nach innen. So ist ihr drittes Album nicht nur Kompendium dreier minimal aufgelegter Maxis, sondern in erster Linie ineinander verstecktes Soloprojekt aller drei Beteiligten. Da die anderen Bandmitglieder wie auch Gäste der erhabenen Neo-Kammermusiker Rachel’s (bzw. deren introvertiert rockendem Nebenprojekt Per Mission) konstant dazwischen werken, führt das zu keinerlei Abgrenzung. Im Gegenteil: Das Trio klang noch nie so einheitlich, geschlossen und, man möchte fast sagen spannend, wenn der Begriff nicht meilenweit von dieser offensiv düsteren Gitarrensuppe entfernt wäre. Mantras vom fahlen Leben, vom Warten aufs Abkratzen. Klassizistische Windy-City-Uptempo-Rocker, Neil Youngsche Raunzschmonzetten mit dem richtigen Quentchen Twang und das fast unerträglich schöne Umhauchen das absoluten Nullpunktes mit »We Start To Drift«, Labradford on the Rocks sozusagen, vollenden einen der schönsten Indie-Monolithen seit langem. Setzen wir Segel, Freunde. Es wird Nebel geben. Freunde?