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Voivod

»Symphonique«

Century Media

Voivod können einfach nichts falsch machen. Auch die Zusammenarbeit mit einem Sinfonieorchester kann als gelungenes Kapitel in die bereits 44-jährige Bandgeschichte eingehen. Am 4. Juni 2025 brachte das Prog-Thrash-Quartett mit dem Quebec Symphony Orchestra unter Dirigentin Dina Gilbert zwölf Songs zu konzertanter Aufführung in seiner Heimatstadt Quebec City. Nun wurde diese einmalige Performance auf Century Media veröffentlicht. Rockbands mit Orchester, Metal und Klassik, das ist so eine Sache. Was 1969 mit Deep Purples »Concerto for Group and Orchestra« begann, erreichte dreißig Jahre später einen kommerziellen Höhepunkt mit Metallicas »S&M«. Es gibt unzählige Kollaborationen und fairerweise sollte jede für sich beurteilt werden. Verglichen mit anderen »Crossover«-Ambitionen erscheint allerdings das Risiko, das Schlechteste aus beiden Welten zu bekommen, besonders hoch. Das Songwriting einer Band, das für drei oder vier Instrumente konzipiert ist, muss für den ungleich vielstimmigeren Klangkörper eines Orchesters umarrangiert werden. Und das kann bedeuten, dass ursprünglich vielleicht relativ simple, aber präzise Songs unnötig überfrachtet interpretiert werden. So geht nicht nur ein bestimmter Sound, sondern auch eine wesentliche Stärke von Rockmusik verloren – ihre viszerale Qualität, auch mit musikalisch einfachen Mitteln tief bewegen und berühren zu können. Was sich stattdessen dazugesellt, sind oftmals die zu Filmmusik-Klischees verkommenen Elemente der Spätromantik. Insbesondere im Metal klingen orchestrale Arrangements viel zu selten danach, als hätten ihre Urheber*innen auch nur Notiz von zeitgenössischer Komposition genommen. Bedauerlich auch, wenn die Musiker*innen den Eindruck erwecken, sich selbst ihrer Stärken gar nicht (mehr) bewusst zu sein. Das äußert sich dann in eitler Selbstüberschätzung und/oder der Unterordnung unter ein Ideal des 19. Jahrhunderts von weißer westlicher Orchestermusik als höchster Ausdrucksform menschlichen Musikschaffens. Manche glauben noch immer, des musikalischen Ritterschlags durch etablierte Hochkultur zu bedürfen. Was umgekehrt ganz und gar nicht dem Selbstverständnis progressiver Orchester und Komponist*innen entspricht. So grundsätzliche Bedenken gingen mir vor dem Hören von Voivods »Symphonique« durch den Kopf. Und ich möchte nicht behaupten, diese hätten sich gänzlich verflüchtigt. Allerdings verloren sie mit andauernder Spielzeit presto an Bedeutung. Michel »Away« Langevin (Drums, Artwork), Daniel »Chewy« Mongrain (Gitarre) und Dominic »Rocky« Laroche (Bass) sind seit Jahren dermaßen tight eingespielt, dass sie es auch mit einem Sinfonieorchester aufnehmen können. Angesichts dieser Klangmacht hört sich Denis »Snake« Bélangers Stimme stellenweise vielleicht verhältnismäßig dünn an. Aber auch das geht in Ordnung bei einem, der nie ein »Metal God« Rob Halford’schen Zuschnitts war und auch in diesem Setting gar nicht vorgibt, einer sein zu wollen. Voivods wohlüberlegte Songauswahl aus ihren verschiedenen Phasen trägt wesentlich zum Gelingen dieses Projekts bei. Voivod sind selbstbewusst genug, auch Songs ihrer letzten Veröffentlichungen zu performen: »Fall« von »Post Society« ist ein unerwartetes Highlight; »The End of Dormancy« wartete bereits im Original auf »The Wake« mit Streicher-Arrangements auf. Es werden also nicht nur Hits wie »Tribal Convictions«, dessen Struktur wie geschaffen für Orchestrierung ist, aufgeboten. Selbst alte Thrasher wie »Nuclear War« vom Debütalbum »War and Pain« sowie »Forgotten in Space« von »Killing Technology« scheinen das Orchester keine Sekunde lang zu unterfordern. Das Zusammenspiel aller Beteiligten auf Augenhöhe steigert sich rasant in eine Sphäre beeindruckender Intensität: prestissimo! Hervorheben möchte ich noch einen meiner vielen All-time Favourites, »Into My Hypercube«. Da wächst die Vorfreude, Voivod – auch ohne Orchester – bald wieder live erleben zu können: u. a. am 15. Juli 2026 in der Arena Wien. 

Home / Rezensionen

Text
Peter Kaiser

Veröffentlichung
29.06.2026

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