Public Image Ltd

»This Is PiL«

PiL Official

»We come from chaos/You cannot change us!« Veröffentlicht eine Post-Punk/New-Wave-Partie der Siebziger nach zwanzig Jahren Pause ein neues Album, könnte man dieses wohl gleich mal dissen, denn ein bedeutendes Ereignis ist da kaum zu erwarten. Andererseits könnte man auch mal in das Album reinhören, obwohl das für das Gros der Musikkritiker wohl auch wieder nix bewirken würde. Ein Glücksfall. In diesem Falle ist doch etwas Relevantes dabei herausgekommen. Verdammt! John Lydon (aka Johnny Rotten) hat mit Public Image Ltd nochmal ein tolles Album rausgeworfen.
Dass es heute um Plattenfirmen schlecht bestellt ist, darüber ist Lydon kein bisschen traurig, waren deren korrupte, bindende Verträge doch für diese lange Pause verantwortlich. Dank einer britischen Butter-Firma, für die Lydon zuletzt warb, konnte mit verdientem Cash nun dieses selbstfinanzierte, feiste Album auf seinem eigenen Label veröffentlicht werden. Aufgenommen wurde es übrigens im (Landhaus-)Studio von Stevie Winwood – der war aber eh mit seiner Schafzucht beschäftigt, mischte sich also nicht ein.
»Lucky you, this is Public Image Ltd. You are now entering a PiL-zone. Welcome to PiL!«, tönt Lydon gleich gro&szligspurig im ?berdrüber-Opener, den die Band bereits als ihren Konzerteröffnungssong erkoren hat. Wenn PiL zur Krautrock-Dub-Disco aufspielen, was auf den zwölf Songs ihres neunten Albums glücklicherweise oft der Fall ist, sind sie am effektivsten. Der einstige Sex-Pistols-Frontmann erzählt von seiner Jugend in Finsbury Park, schimpft über die britische Regierung, motzt über Leute, die nichts als Gossip im Sinn haben und demonstriert in »Lollipop Opera« seine eklektizistischen, vielschichtigen musikalischen Einflüsse. Der Multiinstrumentalist Lou Edmonds (früher Gitarrist bei The Damned, The Mekons und bei PiL auch auf »Happy«,1986, und als Co-Schreiber des Albums »9«,1989, mit dabei), Perkussionist Bruce Smith (einst Drummer bei The Pop Group bzw. The Slits) und Bassist Scott Firth (Sessionmusiker der u. a. bei Stevie Winwood sowie John Martyn spielte) unterstützen Lydon dabei vorbildlich und bilden mit ihm eine exzellente Truppe.
»You’ve become a victim of a shitstem«, sagte Lydon bei seiner Track-By-Track-Analyse über den Song »I Must Be Dreaming« im »NME« treffend. Ein rares, faszinierendes Spätwerk ist ihm mit dieser Formation von PiL hier dennoch oder eben deshalb gelungen. Die selbstfabrizierte Coververunstaltung sei Johnny nachgesehen.