Zu

The Way Of The Animal Powers

Public Guilt

Meine erste Bekanntschaft mit ZU machte ich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts im stark Hardcore-lastigen Kulturbeisl T?WI. Als Kulturkoordinator erfuhr ich von meiner Vorgängerin, dass sie eine spannende Band aus Rom für einen Gig ins Lokal bekommen hatte. Ich war von dem damaligen Album »Bromio« angetan und nun halte ich mindestens zehn Jahre später »The Way Of The Animal Powers« in meinen kalten Händen (der TCM-Mensch attestierte mir eine kalte Niere). Und eben diese Musik scheint eine angebrachte Behandlung darzustellen, da sich nach Erwärmung der Ohren (Headphones sind von Nöten) auch eine subjekte Ganzkörpererwärmung einstellt. Das liegt wohl auch daran, das sich die teuflisch guten ZU-Instrumenalisten klar zu Tom Araya als ihren Ersatz-Elvis bekennen: »Tom Araya Is Our Elvis«, so hei&szligt der Opener ihrer aktuellen Virtuositäten-Sammlung. Brachial-wierd wie maximal-minimal praktizieren sie nach wie vor beeindruckenden Jazzcore, diesmal tangiert der Chicagoer Anti-Cellist Fred Lonberg Holm. Die Verdichtung von Noise zu einer tendenziellen Leere gelingt, die Kraft liegt in der Schlachtung der Reduktion. Nichts ist hier gerade, weder Töne noch Takte. Und irgendwie fallen mir immer wieder The Meters ein. What the Funk? Am Ende ein Stück, das verträumt mit Meeresrauschen und Möwengequietsche beginnt (»Every Seagull Knows«), um kurz darauf von einem infernalisch stürmendem Gedröhne überrollt zu werden. Davon wird man zwar wieder befreit und ins Möwe-Meer-Mollusk-Idyll zurückgespült, aber irgendwie merkt man bald, dass Mitmensch es ohne ZU in einer idyllischen Umgebung gar nicht aushält. ZU ist musikalische Anti-Idylle, die diese jedoch nicht auslöscht, sondern diabolisch untergräbt und übertönt.