Soft Cell

The Twelve Inch Singles

Some Bizarre

Nachdem 1998 schließlich alle vier regulären Alben von Soft Cell (plus Bonustracks) auch auf CD zugänglich gemacht wurden, gibt es jetzt (wegen Reunion/Comeback-Tour) auch die erstmals schon 1985 veröffentlichte Maxi-Box erneut auf CD (plus einiger sehr dezenter 1991er-Remixe, u.a. von The Grid/Dave Ball). Damit dürfte Soft Cells offiziöses Gesamtwerk, mit Ausnahme von »Girl With The Patent Leather Face« (vom ersten »Some Bizarre«-Sampler 1980) sowie ihrer ersten EP »Mutant Moments« (ebenfalls 1980), endgültig komplett zugänglich sein. Wobei die hier versammelten Maxi-Mixe natürlich noch einmal die Sonderstellung dieses Odd Couples unterstreichen. Waren sie doch mit die erste Band, die sich bei ihrem Remixen extrem an die damalige New Yorker Disco-Remixer-Szene (Larry Levan, Tom Moulton, Joey Negro, SalSoul-Records) anlehnte. Dabei jedoch ironischerweise weniger die Beats bis zum Exzess auskosteten (das natürlich auch), als vielmehr die Katerstimmungen am Morgen/Mittag danach. Sozusagen »Disco«-Musik mit dem Solo-Werk von Scott Walker im Rückspiegel und dabei selber im Rückspiegel von Pulps »Hardcore«. Wie radikal Soft Cell dabei vorgegangen sind (bzw. wie wenig sie sich in gewissen Momenten geschissen haben) lässt sich hier etwa anhand des paranoid-klaustrophobischen Electro-Klassikaners »Persuasion« (produziert übrigens von Mute-Chef Daniel »Warm Leatherette« Miller) nachhören, dessen Tanzboden dann auch eher in Throbbing Gristles »Tesco Disco« zu suchen ist. Noch wichtiger erscheint heute aber der »Tainted Dub«, dessen abstrahierendes Dub-Dekonstruktionverfahren noch 20 Jahre später bei Acts wie Pomassl nachwirken sollte. Und die über acht Minuten dauernde Breitwand-Schmuddel-Super 8-Herzbruch-Version von »Say Hello Wave Goodbye« sollte sowieso in jedem Haushalt jederzeit einsatzbereit vorhanden sein.